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E-Bike Paradies Nauders am Reschenpass

E-Bike Paradies Nauders am Reschenpass

Europa

E-Bike-Paradies Nauders am Reschenpass

Mit dem E-Bike zu den Almen hoppen

Es gibt immer ein erstes Mal

E-Bike, ich habe dich immer nur von weiten angesehen in Momenten voller Groll. Du strampelst dich mit deinem konventionellen Fahrrad die Steigung hoch, während Rentner fröhlich grinsend an dir vorbeiradeln. Rentner, eine immer größer werdende Gruppe in unserer Gesellschaft, zu der ich noch nicht gehören möchte. Also die Vorurteile waren groß, trotzdem buchte ich bei der Hotelreservierung zwei E-Bikes für zwei Tage ohne zu wissen, wie diese Teile funktionieren. Ich kenne bisher nur E-Roller.
In diesem Artikel berichte ich von meinen Erfahrungen in der Urlaubsregion Nauders, der ich erst skeptisch begegnete, weil ich dort keinen Strand mit Palmen erwartete. Aber ich glaube, dies vorweg, ich muss dort wieder hin.

E-Bike

Der Artikel im Überblick:

  • Das wunderbare Hotel Berghof
  • Tag 1: Mit dem E-Bike rund um den Reschensee zur Reschenalm
  • Tag 2: Ins Vinschgau zur Melageralm
  • Tag 3: Wanderung ins Hochgebirge zu den Goldseen
Kühe auf der Melageralm im Vinschgau

Das wunderbare Hotel Berghof

Die Wahl für unser Hotel war ganz spontan und profan. „Nauders“ in Booking.com eingegeben und das bestbewertete Hotel gebucht. Das Hotel hat geliefert, was die Bewertungen versprochen haben. Es gab lecker Frühstück und hervorragendes abwechslungsreiches Abendessen. Das Zimmer war sauber, gemütlich und geräumig mit einem wunderbaren Blick auf die Bergwelt und dem Schloß Nauders. Das Personal war ein Traum, man hat sich sofort zuhause gefühlt, in familiärer Atmosphäre. Zu unseren E-Bike Touren wurden wir eingewiesen, wir bekamen Tipps für unsere Route, eine Biker-Karte, eine Trinkflasche und einen Rucksack für die Ladegeräte. In der Sauna des Hauses konnte man wunderbar relaxen und im Spielzimmer gab es jede Menge Brettspiele, einen Billardtisch und einen extra Bereich mit einem großen Flatscreen mit Spielkonsole. Ich kenne nur dieses eine Hotel in Nauders aber sollte ich wieder dort hin fahren, werde ich im Berghof wieder einchecken.

Hotel Berghof in Nauders Österreich

Mit dem E-Bike rund um den Reschensee zur Reschenalm (gelbe Tour)

Nach der Einweisung starteten wir sofort unsere erste Tour. Man konnte die elektrische Unterstützung beim Treten variieren zwischen 0, 20, 60 und 100%. Ich startete gleich mit 60% meine Frau mit 20%. Ich musste auch ständig meiner Frau mitteilen, auf wieviel Prozent ich fahre und wie mein Ladestand ist, damit sie dann mir erwidern konnte, dass sie mit weniger Prozent fährt und ihr Ladestand noch fast voll ist. Ein Wettbewerb bei dem ich keinerlei Ehrgeiz entwickeln konnte. Ich wollte die elektrische Leistung des E-Bikes bis zum Anschlag ausreizen. Ich hatte Urlaub.

Rund um den Reschensee

Das erste Ziel war die berühmte Kirchturmspitze in Altgraun, die seit der Flutung des Reschensee als Mahnmal stehen blieb. Inzwischen gibt es an diesem Ort einen großen Parkplatz mit Sitzflächen am See und Aussichtsplattform. Irgendwie hatte ich dies noch anders in Erinnerung, weniger touristisch. Dann ging es mit Höchstgeschwindigkeit um den Reschensee, ich wollte wissen was das E-Bike hergibt. Bei der Einweisung in unsere E-Bikes, wurde uns für den ersten Tag eine Tour um den Reschensee empfohlen. Ich wünschte mir aber auch den Besuch einer Alm. Also empfahl Maurice uns den Besuch der Reschenalm mit Abfahrt auf einen Trial über die Grenze nach Österreich zum Grünersee. Ich wußte noch nicht, dass ab dem Besuch der Alm die gemütliche Phase in diesem Urlaub endgültig vorbei war.

Von der Reschenalm zurück nach Österreich

Zuerst verpassten wir die eigentliche Auffahrt zur Reschenalm über einen ausgewiesenen Radweg. Pragmatisch folgten wir einem Schild zur Reschenalm, dass ich bei einer Abzweigung noch in Erinnerung hatte. Es war ein Wanderweg. So nach ca. 30 Minuten mussten wir schieben. Ich hatte bis dorthin meine elektrische Unterstützung schon auf 100% gestellt, gewünscht hätte ich mir 120%. Ich kam wie damals schon am Monte Baldo wieder an meine Leistungsgrenze, während meine Frau das schöne Wetter und die Bergwelt genoß.
Irgendwann stießen wir wieder auf den eigentlichen Radweg auf dem just in diesem Moment zwei Seniorenpärchen fröhlich und entspannt mit ihren E-Bikes an uns vorbei fuhren. Ich fluchte und schwitzte. 10m vor der Reschenalm ging dann mein Akku leer.
Auf der Reschenalm hatte man einen wunderbaren Blick über den Reschensee. Ich musste aber mein Überleben sichern. Ich suchte verzweifelt nach einer Steckdose, die mir die freundliche Kellnerin dann auch zeigte. So saß ich dann völlig verschwitzt vor meinem Apfelstrudel. Meine Frau prahlte bei den Almgästen über ihren noch fast 3/4 vollen Ladestand und wies daraufhin, dass ich meinen schon aufladen müsste. Ich wünschte mir zum ersten Mal nach 21 Jahre glückliche Ehe eine ältere Ehefrau.

Der Trial

Nachdem mein Akku wieder ein wenig aufgeladen war, es sollte ja nun eigentlich nur noch bergab gehen, fuhren wir zu einem Trial. Am Start stand eine profihaft gekleidete Mountainbike-Fahrerin ohne E. Mit Integralhelm, Schonern für alle Gelenke, Spezialschuhe und Erste Hilfe-Set. Ich staunte und rückte meine Winterjogging-Jacke von Aldi zurecht und steckte meine Jogginghose in die Socken. Und los ging es. Ich hatte früher ein BMX. Ich kam zwar etwas zitternd und die Bremsen bis zum Anschlag ausgelastet heil am Grünsee an aber ich schwitzte schon wieder wie ein Elch. Meine Frau hatte früher kein BMX. So musste ich öfters auf sie warten. Es war wieder ok, dass sie jünger ist, als ich.
An dem idyllischen Grünsee kam uns auch eine süße Entenfamilie entgegen, so war meine Frau abgelenkt und ich konnte mich etwas erholen (abends gab es Entenbrust, lecker aber nicht ganz ohne moralische Bedenken gegessen). Meine Frau konnte wieder nicht genug bekommen und wollte nun noch zum Schwarzsee. Nachdem die Fahrt dorthin bergauf ging, verweigerte ich jegliche Weiterfahrt und drohte mit Scheidung. Ich konnte mich durchsetzen. Wir fuhren ins Tal. Eine wunderschöne Tour über ca. 40km.

E-Bike vor dem Kirchturm Altgraun
Reschenalm mit Blick auf Reschensee

Ins Vinschgau zur Melageralm (rote Tour)

Am nächsten Morgen, ich hatte mich über Nacht nach einem kurzen Fieberanfall wieder ganz gut erholt, starteten wir zur Melager-Alm. Die Fahrt dorthin sollte sehr einfach zu finden sein. Beim Kirchturm im Wasser links hinter ins Tal. Wir sollten die Straße entlang fahren, da der Straßenverkehr zwar italienischer Art sei, aber nur gering frequentiert. So war es auch.

Die Akkus hatten unterschiedliche Kapazitäten

Als Lehre vom Vortag versuchte ich so viel Strom als nur irgendwie möglich zu sparen. Maurice tauschte die Akkus unserer E-Bikes aus. Denn wie ich erfahren musste, hatte ich am ersten Tag den älteren Akku. Es lag also nicht allein an der individuellen, durch Yoga gestählten Leistungsfähigkeit meiner Frau sonder auch an der schlechteren Akkuleistung, dass am gestrigen Tag die Ladestand-Unterschiede so deutlich ausgeprägt waren.

Auf der Melager-Alm

Also die Fahrt über die Straße zur Melager-Alm war traumhaft. Wir hatten bombiges E-Bike-Wetter. Dank der 60% Zusatzleistung waren wir innerhalb 2 Stunden auf der Alm. Auf dem letzten Abschnitt ging es dann über Forst- und Wanderwege und ich konnte Selfies mit den Kühen machen. Auf der Alm gab es Brotzeit. Frische Milch oder Buttermilch direkt von der Alm ist einfach ein Traum. Aufgrund mangelnder Absprache bestellten wir auch noch doppelte Brotzeit. So gab es Speckplatte und Kaminwurz. Egal, auf 2000m inmitten der Natur schmeckt es und der Appetit scheint nicht zu vergehen. Nach der Brotzeit legte ich mich in die Wiese und verblieb in Savasana (Totenstellung im Yoga). Meine Frau war nicht zu bremsen, sie wanderte eine weitere Stunde um die Alm und genoß den Blick auf die Gletscherwelt.

Zurück nach Nauders mit Highspeed

Die Abfahrt begann zuerst über Forstwege bis wir dann in dem kleinen Örtchen Kabron wieder auf die Straße stießen. Zurück zum Reschensee mit Tempo 100km/h (ok nicht ganz). Während der Abfahrt war man aber erstaunt, wieviel Strecke man mit einem E-Bike bei nicht ganz unerheblichen Steigungen schafft. Am Reschensee angekommen waren es dann nur noch 20 Minuten bis zum unserem Hotel. Zum Abschluss dieses wunderbaren Tages besuchten wir dann noch die Sauna. Nach dem Abendessen war ich körperlich am Ende und ich schlief ein.

Selfie mit Kuh
Speckplatte auf der Melageralm

Wanderung ins Hochgebirge zu den Goldseen

Weil das Wetter und unser Hotel genial war verlängerten wir unseren Aufenthalt, um einen Tag. Wandern ist nach zwei Tagen und 80km mit dem E-Bike wohl eher einer der leichteren Übungen. Dies vorweg, diese Einschätzung war leider fatal. Am Abend plauschten wir noch mit dem Kellner, der uns unbedingt einen Besuch auf der Piengalm empfahl mit anschließender Steinpilzsuche in den Wäldern. Die Empfehlungen zum Besuch der Goldseen war indifferent. Aufgrund von Muränen sei der Aufstieg schwierig. Da ich hochalpin nicht ganz unerfahren war, als Kind war ich viel in der Schweiz, meinte ich diese Herausforderung meisten zu können.

Mit der Seilbahn auf den Bergkastel

Um 09.15 Uhr standen wir pünktlich an der Seilbahn. Oben angekommen studierten wir die Wegweiser. Meine Frau hätte sich eigentlich mit dem Besuch der Piengalm begnügt, doch mein Ehrgeiz wurde geweckt. Ich wollte ein Instagram-Selfie an einem richtigen Bergsee. Also überredete ich sie die zwei Stunden Weg zu den Goldseen in Angriff zu nehmen.

2600m Goldsee, ich bin angekommen

Nach ca. 15 Minuten benötigte ich die erste Verschnaufpause, die ich dann regelmäßig in 10 Minuten-Abständen einlegte, an Steilhängen auch in kürzeren Frequenzen. Meine Wasserflasche war nach ca. 30 Minuten geleert. Nach 60 Minuten forderte ich meine Frau zum Abbruch des Vorhabens auf. Diese hatte aber inzwischen „Blut geleckt“ und sie wollte unbedingt zu den Seen. Sie zeigte keine Ermüdungserscheinungen. Nach 2 Stunden kamen wir an dem unteren der beiden Seen an. Ich trank den halben See leer wegen starker Dehydration. Dies geschah bevor meiner Frau den See googelte, um mir mitzuteilen, dass der See mit Kupfer und Blei belastet ist. Seitdem wiege ich 2kg mehr. Aufgrund des geringen Sauerstoffgehaltes leistet ich auch keine Gegenwehr mehr auch noch die letzten Meter bis zum oberen Goldsee zu bewältigen. Ich war in einem Trance ähnlichen Zustand auch angesichts des traumähnlichen Anblick des Goldsees. Der Abstieg zum Bergkastel ist kurz erzählt. Meine Frau „hüpfte“ (Originalton) schnell runter, weil sie auf die Toilette musste, ich kam nicht hinterher, verlief mich auf einer Muräne, bis ich in der Ferne ein Rentnerpärchen erkannte und ihm bis zur Seilbahn folgte. Im Bergrestaurant bestelle ich zwei Liter Wasser.

Über die Piengalm zurück nach Nauders mit Lowspeed

Ich insistierte nach Nauders mit der Seilbahn zurückzukehren. Nun bestand aber meine Frau weiterhin auf den Besuch der Piengalm und den Spaziergang (sie nannte es schlendern) hinab ins Tal. Meine rechte Wade zeigte inzwischen erhebliche Verschleißerscheinungen. Ich hatte Schmerzen. Also zwangsläufig folgte ich meiner Frau und nach ca. 45 Minuten erreichten wir die idyllische Piengalm. Ein pittoreskes Kleinod mit Gänsen, Hühnern, Hunden und Fliegen: Ein Anblick wie im Bildband „Urige Almen in Tirol“. Meine Frau wollte unbedingt die Buttermilch probieren. Die war jedoch deutlich mehr Butter als Milch, danach wurde ihr schlecht. Das einzige Mal in diesem Urlaub klagte auch sie über körperliche Beschwerden. Wir verabschiedeten uns noch von zwei Mountainbikern, einer davon mit E, die seit Tagen auf dem Weg über die Alpen nach Riva am Gardasee waren. Tja, dann ging es fast 2 Stunden über Forstwege ins Tal. Ca. 30 Minuten vor Ankunft im Hotel, die Sauna hatte schon zu, spürte ich meine Füße nicht mehr. Der rechte Knöchel schmerzte und begann anzuschwellen. Ich las zuvor auf der Piengalm noch einen Aushang über gesundes Wandern. Ich war letztendlich froh, dass mir von den erwähnten gesundheitlichen Risiken zumindest der Herzinfarkt erspart blieb. Als Kind hatte ich das irgendwie alles anders in Erinnerung, entspannter.

Selfie am Goldsee
Piengalm bei Nauders

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by 14.Sep 2018
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Auf den wildem Wasser von Inn und Lech

Hirschhaut vorbereiten für die Trommel

Native-Spirit, die Natur-, Wildnis- und Lebensschule am Inn in Tirol, besuche ich seit 2010. Ich habe:

  • in vielen Schwitzhütten geschwitzt,
  • Trommeln und Bogen gebaut,
  • über das Medizinrad meditiert
  • und ich habe mich meiner Seele er-inn-ert.

Es gibt mehr als das Sichtbare, es ist aber nicht beschreibbar und vor allem nur erlebbar. Deswegen gibt es hierzu von mir keine Reiseberichte. In diesem Jahr habe ich spontan beschlossen, mich mit meiner Frau in die Wildnis zu begeben, um ganz weltlich die Grenzen der Belastbarkeit unserer Beziehung auszuloten. Wir hatten die Grenzen zweimal fast überschritten. Lest selbst.

Erste Einweisung in die Gefahren des Kayak-Fahren

Nach 3 Monaten Sonnenschein und tropischen Nächten war die Freude darüber groß, dass es an unserem Kayak-Tour-Wochenende regnen wird. Bei Native Spirit schläft man in gemütlichen Tipis und geheizt wird mittels Holzofen, Romantik war angesagt. Da wir drei „Paare“ waren, gab es für jedes ein eigenes Tipi. So konnten wir unseren Urlaub starten, wäre da nicht meine leichte Erkältung gewesen. Der Abstand beim Schlafen vergrößerte sich in der Nacht stündlich (’schnarch‘), auch zu meinem eigenen Schutz.
Am ersten Abend bekamen wir noch Einweisung in die Gefahren des Wildwasser. Wir werden die Stufe 2+ von 6 (unbefahrbar) Stufen an diesen zwei Tagen bewältigen und wir müssten, wenn alles gut verläuft, es auch überleben. Nur man muss auch was dafür tun. Dass ich durch meine Kayak-Partnerin noch unter einem besonders großen Druck stehen würde, war mir an dem Vorabend noch nicht bewußt.

Neoprenanzug und erster Wasserkontakt

Bevor es in die Wildnis ging, mussten wir uns auch entsprechend einkleiden. Meine Frau zweifelte schon vor der Reise an meiner Fähigkeit, mich in den Neoprenanzug ohne Fremdhilfe pulen zu können. Ich gestehe, ganz ohne Hilfe ging es nicht. Ich versuchte auch dem Anzug-Verteiler klar zu machen, dass ich bei geschloßenem Reißverschluss keine Luft bekomme. Er meine nur lapidar, der Anzug müsste eng sitzen, sonst wärmt er nicht. Ich hatte also die Wahl zwischen ersticken oder erfrieren. Meine Frau erschien zufrieden, der Neoprenanzug war noch nicht nass.
Als kleine Gummiente fiel ich in mein Auto und wir fuhren zu dem Badesee des Campingplatzes an der Via Claudia in Pfunds. Unsere Boote von der Firma Grabner, die Mercedes unter den Schlauch-Kayaks, wurden schon ins Wasser gelassen. Es regnete, was nicht störte. Erschreckend war die Temperatur des alpinen Badesees. War der erste Kälte-Schreck überwunden, wärmte der Neoprenanzug erstaunlich gut.
Wir starten die ersten Manöver, wie geradeaus fahren, links, rechts und im Kreis drehen. Wir lernten, dass Kayak fahren auch Philosophie ist. In einem Team muss es einen Führer geben, dieser lenkt hinten, der vorne Sitzende hat zu gehorchen. Ich saß hinten, meine Vorderfrau machte noch nicht richtig mit. Daran müssen wir noch arbeiten.

Frau schon länger über Bord

Mein persönliches Highlight war der Moment, als wir das Kentern übten, unter das Boot tauchen und wieder in das Boot gelangen mussten. Erst wegen meiner Ungelenkigkeit verspottet, zog ich mich problemlos in das Boot, während meine Frau hilflos am Bootsrand hing und ich sie reinziehen musste. Sie meinte es läge an den weiblichen Kurven, die ich wirklich sehr schätze, für eine Frau wäre es also generell nicht möglich so einfach sich in ein Boot zu ziehen. Beim zweiten mal schaffte sie es. Ihr Neoprenanzug war dann nass.

Einweisung in Gefahren des Wildwasser
Mann in Neoprenanzug
Badesee Via Claudia

In die wilde Natur des Inntals in Graubünden

Am Nachmittag, nach einer großen Portion Kaiserschmarrn, fuhren wir in Kolonne über die schweizer Grenze ins Inntal zu unserem Einstiegspunkt. Wir zwängten uns in die Gummianzüge. Die Autos mussten zu dem Ausstiegspunkt gefahren werden. Zurück zum Einstiegspunkt fuhren 4 Gummimännchen wieder mit einem Auto. Kayak fahren besteht zu einem großen Anteil aus Logistik. Eine Verkehrskontrolle oder gar ein Unfall hätte eventuell zu größeren Schwierigkeiten führen können. Mit Neoprenanzug und Rettungsschwimmweste fährt man nicht jeden Tag mit dem Auto durch die Schweiz.

Es kann losgehen!

Am Einstiegspunkt wieder angekommen, konnte es endlich losgehen. Wir stiegen, soe wie uns gezeigt wurde, in die Boote. Der Hintermann, der sogenannte Steuermann, der der den Ton und die Richtung angibt, ich nenne ihn ab jetzt Chef, also ich, steigt zuerst ins Boot, während die Vorderfrau, sie muss tun, was der Chef sagt, das Boot hält. Schon zu Beginn musste eine schwierige Passage gemeistert werden. Elegant umschiffte ich, eingebettet in dem Wasserstrom, einen großen Felsen. Dann mussten wir sofort in ein Kehrwasser steuern, um auf die Anderen zu warten. Es bedurfte einiger Versuche. Zuletzt schob uns einer der Profis an den sicheren Rand. Dann schwamm eine Trinkflasche von einem befreundeten Boot an uns vorbei. Was war passiert? Das erste Paar ist gekentert und musste gerettet werden. Meine Frau drohte mir schon zu Beginn, sie will nicht ins Wasser fallen. Ein immenser Druck lastetet von nun an auf mir. Ich musste unbedingt verhindern, dass meine Frau auch ins Wasser fällt. Nach einigen Stromschnellen und mehrfachen Versuchen im Kehrwasser anzuhalten, wurden wir ein eingespieltes Team.

Die Natur ist der beste Lehrmeister

Einer gibt den Ton an und der andere gehorcht. Eine Lebensweisheit, deren Sinn sich in der rauen Natur mehr und mehr bewahrheitet. Nur so kann es in einer guten Ehe funktionieren.
Nach ca. 2 Stunden waren wir dann an unserem Ausstiegspunkt angekommen. Es gab keine größeren Zwischenfälle mehr, lediglich einmal drohten wir zu kentern, was ich mit einem geschickten Manöver verhinderte und den Urlaub erstmal retten konnte.
Nach einem leckeren Abendessen guckten wir alle geimansam einen Film von der Lappland-Tour, die Peter vor einigen Jahren mit einer Gruppe von ca. 15 Personen erlebte und führen durfte. Es entstand ein Gefühl von Fernsucht.

Wie in Kanada, im Lechtal ist kaana da

Am Sonntagmorgen, nachdem wir unser Gepäck im Auto verstaut haben, fuhren wir von der Native Spirit Wildnisschule über das fast 2000m hoch gelegene Hahntenjoch nach Imst ins Lechtal. Hier zeigte sich zum ersten Mal nach zwei Tagen wieder die Sonne. Wie schon am vorigen Tag platzierten wir die Autos an Ein- und Ausstiegsstelle. Wir legten professionell ab, in dem wir unser Kayak leicht in den reißenden Strom anwinkelten. Zugegeben, ganz so elegant sah es dann doch noch nicht aus. Ich setzte am Boden auf. Das Wasser war am Start zu flach (oder ich zu schwer). Meine Frau musste mich in die Fluten ziehen. Ich war ja der Chef und durfte das Kayak nicht verlassen.

Jede Menge Spaß, inkl. Rettungsmanöver

Der Lech war schon ein anderer Kaliber, hier war der ganze Steuermann gefragt. Immer wieder mussten wir reißende Stromschnellen bewältigen und bei drohenden Aufprall an Felswänden und Bäumen musste ich vorausschauend und rechtzeitig manövrieren. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke kenterte wieder ein Boot und wir sahen diesmal nicht die Flasche sondern die Fahrer an uns vorbei treiben und wir sahen hilflos hinter her. Wir erinnerten sie noch, dass nichts passieren kann. Die Anweisung hieß, mit dem Rücken ins Wasser legen und die Beine voran. Irgendwann kommt man immer raus. Was soll ich sagen, nach einigen 100m waren wir alle wieder vereint. Gut, beidseitig an den Ufern verstreut aber es waren alle wohl auf. So konnten wir bei der Rettungsaktion noch einige Manöver üben oder die Profis bei Diesen beobachten. Ich kann jetzt zum Beispiel mit dem Kayak einen wilden Fluß, wie an einer Seilwinde hängend, überqueren.

Mit Native Spirit auf dem Hahntenjoch
Einstieg in Lech mit Kayak mit Native Spirit

Glückliche Ankunft und Abschluss mit Genuss

Nach ca. 2 Stunde Fahrt kamen wir wohlbehalten an unserem Ausstiegspunkt an. Ich hatte es wirklich geschafft meine Frau durch die wilden Wasser zu manövrieren, ohne dass sie auch nur einmal ins Wasser fiel. Der Urlaub war gerettet. Ich konnte weiter planen. Wir hatten alle gemeinsam eine schöne Zeit und dank Peter und seinem Team klappte alles perfekt und wie waren bestens betreut.
Zum Abschluss gingen wir alle noch mal richtig schlemmen ins Genießer-Restaurant Schlemmerland. Ok die Interseite mit Flash-Player ist gruselig aber das Essen war genial. Ich hatte ein Käsesüppchen und eine ganz banale, aber regional hergestellte Curryurst mit handgemachter Soße. Ein Traum!

Zwei wunderschöne Tage dank dem Native Spirit-Team

Zweimal kam es beinah zum Supergau, wir drohten zu kentern. Wäre meine Frau ins Wasser gefallen, ich wüsste nicht, wie der weitere Urlaub verlaufen wäre. Aber durch geschickte Gewichtsverlagerung meinerseits passierte nichts dergleichen. Wir hatten zwei wunderschöne Tage inmitten der rauen Natur, die uns wieder einmal in wichtige Lehre für die Zukunft mitgab: Es kann nur einen Chef geben und halte deine Frau trocken.

Vielen Dank an Peter und das Native Spirit Team, bis zur nächsten Schwitzhütte!

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Die schönste Dachterrasse in Athen

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Mai, 2018
Airbnb Gutschein

Ouzo, Retsina und Zaziki, im Herzen Griechenlands

Dauer: 4 Tage, 3 Nächte
Location: Athena, GR
Budget: €500 pro Person
Entfernung: 2,330km

Stammtisch-Reise 2018 führte uns in die Wiege der Demokratie und das Zentrum der griechischen Küche. Dieser wollten wir mit dieser Reise besondere Aufmerksamkeit widmen. „Irgendwann bleib I dann dort!“, der Intension dieses Titels von STS, noch nie war ich Dieser so nahe, wie auf der Dachterrasse mitten in der Plaka.

Nachdem ich Athen bereits im letzten Jahr ausführlich erkundete, waren mir die alten Steine bereits bekannt. Es gibt auch nur vereinzelt Mitglieder in unserer Gruppe, die antike Architektur interessiert, so konnten wir gezielt überwiegend die kulinarischen Lokalitäten ansteuern.

Unserer Appartement war aber der eigentliche Höhepunkt der ganzen Reise. Bei sommerlichen Wetter mit frischen Oliven, kühlen Bier und Retsina über die Dächer Athens auf die Akropolis blicken zu können kommt der Vorstellung des Paradies sehr nahe.

  • Sight Seeing 20% 20%
  • Food 70% 70%
  • Ouzo 70% 70%
  • Retsina 90% 90%

Eigenartigerweise kann ein Mann immer sagen, wie viele Schafe er besitzt, aber er kann nicht sagen, wie viele Freunde er hat, so gering ist der Wert, den wir ihnen beimessen.

Sokrates

 

Villa Live

Hier alle Bilder aus unserer Villa in Athen, die wir mit schweren Herzen verlassen haben.

Best Food & Drink

1. O Kostas 

Das beste Streetfood gibt es in einer Seitengasse nahe dem Syntagama Platz. Das Souvlaki ist ein Traum. Map

2. Cave of Acropolis

Eine große Terrasse mit Blick auf die Akropolis mit griechischer Live Musik, abseits vom Trubel  Map

3. Brettos

Schon im letzten Jahr, meine liebste Ouzo-Bar. Dieses Jahr nicht immer freundlich aber eben was Besonders. Map

Bestes Souvlaki in Athen bei O Kostas

Genuss

Drei Tage feinste Spirituosen bei bestem Essen und viel griechischer Gastfreundschaft.

Athen Akropolis

The Highlight of the Trip!
Akropolis Galerie

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