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E-Bike-Paradies Nauders am Reschenpass

Mit dem E-Bike zu den Almen hoppen

Es gibt immer ein erstes Mal

E-Bike, ich habe dich immer nur von weiten angesehen in Momenten voller Groll. Du strampelst dich mit deinem konventionellen Fahrrad die Steigung hoch, während Rentner fröhlich grinsend an dir vorbeiradeln. Rentner, eine immer größer werdende Gruppe in unserer Gesellschaft, zu der ich noch nicht gehören möchte. Also die Vorurteile waren groß, trotzdem buchte ich bei der Hotelreservierung zwei E-Bikes für zwei Tage ohne zu wissen, wie diese Teile funktionieren. Ich kenne bisher nur E-Roller.
In diesem Artikel berichte ich von meinen Erfahrungen in der Urlaubsregion Nauders, der ich erst skeptisch begegnete, weil ich dort keinen Strand mit Palmen erwartete. Aber ich glaube, dies vorweg, ich muss dort wieder hin.

E-Bike

Der Artikel im Überblick:

  • Das wunderbare Hotel Berghof
  • Tag 1: Mit dem E-Bike rund um den Reschensee zur Reschenalm
  • Tag 2: Ins Vinschgau zur Melageralm
  • Tag 3: Wanderung ins Hochgebirge zu den Goldseen
Kühe auf der Melageralm im Vinschgau

Das wunderbare Hotel Berghof

Die Wahl für unser Hotel war ganz spontan und profan. „Nauders“ in Booking.com eingegeben und das bestbewertete Hotel gebucht. Das Hotel hat geliefert, was die Bewertungen versprochen haben. Es gab lecker Frühstück und hervorragendes abwechslungsreiches Abendessen. Das Zimmer war sauber, gemütlich und geräumig mit einem wunderbaren Blick auf die Bergwelt und dem Schloß Nauders. Das Personal war ein Traum, man hat sich sofort zuhause gefühlt, in familiärer Atmosphäre. Zu unseren E-Bike Touren wurden wir eingewiesen, wir bekamen Tipps für unsere Route, eine Biker-Karte, eine Trinkflasche und einen Rucksack für die Ladegeräte. In der Sauna des Hauses konnte man wunderbar relaxen und im Spielzimmer gab es jede Menge Brettspiele, einen Billardtisch und einen extra Bereich mit einem großen Flatscreen mit Spielkonsole. Ich kenne nur dieses eine Hotel in Nauders aber sollte ich wieder dort hin fahren, werde ich im Berghof wieder einchecken.

Hotel Berghof in Nauders Österreich

Mit dem E-Bike rund um den Reschensee zur Reschenalm (gelbe Tour)

Nach der Einweisung starteten wir sofort unsere erste Tour. Man konnte die elektrische Unterstützung beim Treten variieren zwischen 0, 20, 60 und 100%. Ich startete gleich mit 60% meine Frau mit 20%. Ich musste auch ständig meiner Frau mitteilen, auf wieviel Prozent ich fahre und wie mein Ladestand ist, damit sie dann mir erwidern konnte, dass sie mit weniger Prozent fährt und ihr Ladestand noch fast voll ist. Ein Wettbewerb bei dem ich keinerlei Ehrgeiz entwickeln konnte. Ich wollte die elektrische Leistung des E-Bikes bis zum Anschlag ausreizen. Ich hatte Urlaub.

Rund um den Reschensee

Das erste Ziel war die berühmte Kirchturmspitze in Altgraun, die seit der Flutung des Reschensee als Mahnmal stehen blieb. Inzwischen gibt es an diesem Ort einen großen Parkplatz mit Sitzflächen am See und Aussichtsplattform. Irgendwie hatte ich dies noch anders in Erinnerung, weniger touristisch. Dann ging es mit Höchstgeschwindigkeit um den Reschensee, ich wollte wissen was das E-Bike hergibt. Bei der Einweisung in unsere E-Bikes, wurde uns für den ersten Tag eine Tour um den Reschensee empfohlen. Ich wünschte mir aber auch den Besuch einer Alm. Also empfahl Maurice uns den Besuch der Reschenalm mit Abfahrt auf einen Trial über die Grenze nach Österreich zum Grünersee. Ich wußte noch nicht, dass ab dem Besuch der Alm die gemütliche Phase in diesem Urlaub endgültig vorbei war.

Von der Reschenalm zurück nach Österreich

Zuerst verpassten wir die eigentliche Auffahrt zur Reschenalm über einen ausgewiesenen Radweg. Pragmatisch folgten wir einem Schild zur Reschenalm, dass ich bei einer Abzweigung noch in Erinnerung hatte. Es war ein Wanderweg. So nach ca. 30 Minuten mussten wir schieben. Ich hatte bis dorthin meine elektrische Unterstützung schon auf 100% gestellt, gewünscht hätte ich mir 120%. Ich kam wie damals schon am Monte Baldo wieder an meine Leistungsgrenze, während meine Frau das schöne Wetter und die Bergwelt genoß.
Irgendwann stießen wir wieder auf den eigentlichen Radweg auf dem just in diesem Moment zwei Seniorenpärchen fröhlich und entspannt mit ihren E-Bikes an uns vorbei fuhren. Ich fluchte und schwitzte. 10m vor der Reschenalm ging dann mein Akku leer.
Auf der Reschenalm hatte man einen wunderbaren Blick über den Reschensee. Ich musste aber mein Überleben sichern. Ich suchte verzweifelt nach einer Steckdose, die mir die freundliche Kellnerin dann auch zeigte. So saß ich dann völlig verschwitzt vor meinem Apfelstrudel. Meine Frau prahlte bei den Almgästen über ihren noch fast 3/4 vollen Ladestand und wies daraufhin, dass ich meinen schon aufladen müsste. Ich wünschte mir zum ersten Mal nach 21 Jahre glückliche Ehe eine ältere Ehefrau.

Der Trial

Nachdem mein Akku wieder ein wenig aufgeladen war, es sollte ja nun eigentlich nur noch bergab gehen, fuhren wir zu einem Trial. Am Start stand eine profihaft gekleidete Mountainbike-Fahrerin ohne E. Mit Integralhelm, Schonern für alle Gelenke, Spezialschuhe und Erste Hilfe-Set. Ich staunte und rückte meine Winterjogging-Jacke von Aldi zurecht und steckte meine Jogginghose in die Socken. Und los ging es. Ich hatte früher ein BMX. Ich kam zwar etwas zitternd und die Bremsen bis zum Anschlag ausgelastet heil am Grünsee an aber ich schwitzte schon wieder wie ein Elch. Meine Frau hatte früher kein BMX. So musste ich öfters auf sie warten. Es war wieder ok, dass sie jünger ist, als ich.
An dem idyllischen Grünsee kam uns auch eine süße Entenfamilie entgegen, so war meine Frau abgelenkt und ich konnte mich etwas erholen (abends gab es Entenbrust, lecker aber nicht ganz ohne moralische Bedenken gegessen). Meine Frau konnte wieder nicht genug bekommen und wollte nun noch zum Schwarzsee. Nachdem die Fahrt dorthin bergauf ging, verweigerte ich jegliche Weiterfahrt und drohte mit Scheidung. Ich konnte mich durchsetzen. Wir fuhren ins Tal. Eine wunderschöne Tour über ca. 40km.

E-Bike vor dem Kirchturm Altgraun
Reschenalm mit Blick auf Reschensee

Ins Vinschgau zur Melageralm (rote Tour)

Am nächsten Morgen, ich hatte mich über Nacht nach einem kurzen Fieberanfall wieder ganz gut erholt, starteten wir zur Melager-Alm. Die Fahrt dorthin sollte sehr einfach zu finden sein. Beim Kirchturm im Wasser links hinter ins Tal. Wir sollten die Straße entlang fahren, da der Straßenverkehr zwar italienischer Art sei, aber nur gering frequentiert. So war es auch.

Die Akkus hatten unterschiedliche Kapazitäten

Als Lehre vom Vortag versuchte ich so viel Strom als nur irgendwie möglich zu sparen. Maurice tauschte die Akkus unserer E-Bikes aus. Denn wie ich erfahren musste, hatte ich am ersten Tag den älteren Akku. Es lag also nicht allein an der individuellen, durch Yoga gestählten Leistungsfähigkeit meiner Frau sonder auch an der schlechteren Akkuleistung, dass am gestrigen Tag die Ladestand-Unterschiede so deutlich ausgeprägt waren.

Auf der Melager-Alm

Also die Fahrt über die Straße zur Melager-Alm war traumhaft. Wir hatten bombiges E-Bike-Wetter. Dank der 60% Zusatzleistung waren wir innerhalb 2 Stunden auf der Alm. Auf dem letzten Abschnitt ging es dann über Forst- und Wanderwege und ich konnte Selfies mit den Kühen machen. Auf der Alm gab es Brotzeit. Frische Milch oder Buttermilch direkt von der Alm ist einfach ein Traum. Aufgrund mangelnder Absprache bestellten wir auch noch doppelte Brotzeit. So gab es Speckplatte und Kaminwurz. Egal, auf 2000m inmitten der Natur schmeckt es und der Appetit scheint nicht zu vergehen. Nach der Brotzeit legte ich mich in die Wiese und verblieb in Savasana (Totenstellung im Yoga). Meine Frau war nicht zu bremsen, sie wanderte eine weitere Stunde um die Alm und genoß den Blick auf die Gletscherwelt.

Zurück nach Nauders mit Highspeed

Die Abfahrt begann zuerst über Forstwege bis wir dann in dem kleinen Örtchen Kabron wieder auf die Straße stießen. Zurück zum Reschensee mit Tempo 100km/h (ok nicht ganz). Während der Abfahrt war man aber erstaunt, wieviel Strecke man mit einem E-Bike bei nicht ganz unerheblichen Steigungen schafft. Am Reschensee angekommen waren es dann nur noch 20 Minuten bis zum unserem Hotel. Zum Abschluss dieses wunderbaren Tages besuchten wir dann noch die Sauna. Nach dem Abendessen war ich körperlich am Ende und ich schlief ein.

Selfie mit Kuh
Speckplatte auf der Melageralm

Wanderung ins Hochgebirge zu den Goldseen

Weil das Wetter und unser Hotel genial war verlängerten wir unseren Aufenthalt, um einen Tag. Wandern ist nach zwei Tagen und 80km mit dem E-Bike wohl eher einer der leichteren Übungen. Dies vorweg, diese Einschätzung war leider fatal. Am Abend plauschten wir noch mit dem Kellner, der uns unbedingt einen Besuch auf der Piengalm empfahl mit anschließender Steinpilzsuche in den Wäldern. Die Empfehlungen zum Besuch der Goldseen war indifferent. Aufgrund von Muränen sei der Aufstieg schwierig. Da ich hochalpin nicht ganz unerfahren war, als Kind war ich viel in der Schweiz, meinte ich diese Herausforderung meisten zu können.

Mit der Seilbahn auf den Bergkastel

Um 09.15 Uhr standen wir pünktlich an der Seilbahn. Oben angekommen studierten wir die Wegweiser. Meine Frau hätte sich eigentlich mit dem Besuch der Piengalm begnügt, doch mein Ehrgeiz wurde geweckt. Ich wollte ein Instagram-Selfie an einem richtigen Bergsee. Also überredete ich sie die zwei Stunden Weg zu den Goldseen in Angriff zu nehmen.

2600m Goldsee, ich bin angekommen

Nach ca. 15 Minuten benötigte ich die erste Verschnaufpause, die ich dann regelmäßig in 10 Minuten-Abständen einlegte, an Steilhängen auch in kürzeren Frequenzen. Meine Wasserflasche war nach ca. 30 Minuten geleert. Nach 60 Minuten forderte ich meine Frau zum Abbruch des Vorhabens auf. Diese hatte aber inzwischen „Blut geleckt“ und sie wollte unbedingt zu den Seen. Sie zeigte keine Ermüdungserscheinungen. Nach 2 Stunden kamen wir an dem unteren der beiden Seen an. Ich trank den halben See leer wegen starker Dehydration. Dies geschah bevor meiner Frau den See googelte, um mir mitzuteilen, dass der See mit Kupfer und Blei belastet ist. Seitdem wiege ich 2kg mehr. Aufgrund des geringen Sauerstoffgehaltes leistet ich auch keine Gegenwehr mehr auch noch die letzten Meter bis zum oberen Goldsee zu bewältigen. Ich war in einem Trance ähnlichen Zustand auch angesichts des traumähnlichen Anblick des Goldsees. Der Abstieg zum Bergkastel ist kurz erzählt. Meine Frau „hüpfte“ (Originalton) schnell runter, weil sie auf die Toilette musste, ich kam nicht hinterher, verlief mich auf einer Muräne, bis ich in der Ferne ein Rentnerpärchen erkannte und ihm bis zur Seilbahn folgte. Im Bergrestaurant bestelle ich zwei Liter Wasser.

Über die Piengalm zurück nach Nauders mit Lowspeed

Ich insistierte nach Nauders mit der Seilbahn zurückzukehren. Nun bestand aber meine Frau weiterhin auf den Besuch der Piengalm und den Spaziergang (sie nannte es schlendern) hinab ins Tal. Meine rechte Wade zeigte inzwischen erhebliche Verschleißerscheinungen. Ich hatte Schmerzen. Also zwangsläufig folgte ich meiner Frau und nach ca. 45 Minuten erreichten wir die idyllische Piengalm. Ein pittoreskes Kleinod mit Gänsen, Hühnern, Hunden und Fliegen: Ein Anblick wie im Bildband „Urige Almen in Tirol“. Meine Frau wollte unbedingt die Buttermilch probieren. Die war jedoch deutlich mehr Butter als Milch, danach wurde ihr schlecht. Das einzige Mal in diesem Urlaub klagte auch sie über körperliche Beschwerden. Wir verabschiedeten uns noch von zwei Mountainbikern, einer davon mit E, die seit Tagen auf dem Weg über die Alpen nach Riva am Gardasee waren. Tja, dann ging es fast 2 Stunden über Forstwege ins Tal. Ca. 30 Minuten vor Ankunft im Hotel, die Sauna hatte schon zu, spürte ich meine Füße nicht mehr. Der rechte Knöchel schmerzte und begann anzuschwellen. Ich las zuvor auf der Piengalm noch einen Aushang über gesundes Wandern. Ich war letztendlich froh, dass mir von den erwähnten gesundheitlichen Risiken zumindest der Herzinfarkt erspart blieb. Als Kind hatte ich das irgendwie alles anders in Erinnerung, entspannter.

Selfie am Goldsee
Piengalm bei Nauders

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