Istanbul – zwischen Okzident und extremistischen Bierpreisen

Istanbul – zwischen Okzident und extremistischen Bierpreisen

Istanbul

Reisebericht über eine faszinierende Stadt

Istanbul–zwischen Okzident und extremistischen Bierpreisen, ein Reisebericht

Die Entscheidung nach Istanbul zu fahren fiel zu einem Zeitpunkt, als die politische Lage in der Türkei noch relativ entspannt und Terroranschläge noch selten waren. Dies änderte sich mit der Zeit. Es gab bei uns schon Überlegungen einen Wanderurlaub in Südtirol anzustreben, doch wir wollten politisch ein Zeichen setzen. Wir lassen uns unsere westlichen Werte nicht von ein paar Fanatikern einschränken und trinken unser Bier, wo wir wollen: Istanbul, jetzt erst recht. Wir kannten die Reisewarnung vom auswärtigen Amt, man solle Menschenmassen meiden. Dies schien so ab 03:00 Uhr nachts an manchen Stellen in Istanbul möglich. Auch Äußerungen zur Politik der Türkei sollte man meiden. Man sprach uns immer wieder wegen einem Politiker mit dem Namen „Erdogan“ an, doch wir kannten ihn gar nicht. Einen Presseausweis hatte auch keiner von uns. Also alles ganz entspannt. Doch beginnen wir mit der Anreise.
Menschenmassen in Istanbul
Wir versuchten Menschenmassen zu meiden.

Tag 1 – Das Appartement war traumhaft gelegen

Die Anreise verlief eigentlich wie bei allen unseren Stammtisch-Reisen, Bombenstimmung und frische Gerstensaftschorle aus der Dose. Wir flogen mit Türkisch Airline, kein Billigflieger. Der Service war super, es gab lecker Kebab und ausreichend Beinfreiheit. Die Passkontrolle verlief reibungslos und nun wurde es spannend. Unser spanischer Teutone regelte die Appartement-Buchung auf südländische Art, was dazu führte, dass unsere Wohnung südländisch, drei Tage vor Ankunft, wegen Wasserschaden unbewohnbar war. Es wurde kurzfristig über Airbnb auf nordländische Art ein Appartement gebucht, inkl. Abholservice. Sollte das wieder eine Finte sein, um uns christliche Touristen zu zermürben. Nein, ein freundlicher Türke begrüßte uns mit einem Schild mit der Aufschrift „Andreas Faisst“ und wir stiegen nach ca. 10 Minuten Wartezeit in einen kleinen Reisebus, ohne mit dem Fahrer über das Ziel und den Preis gesprochen zu haben. Gut das Harry allein von Barcelona anreiste. Einfach mal fallen lasse und vertrauen. Der Bus brachte uns wirklich direkt zu unserem Appartement und wir mussten nicht mal zahlen. Sollte die Rechnung später kommen? (Um die Spannung zu mildern: Nein, keine Ahnung wer diese Fahrt bezahlt hat). Wenn du auch über Airbnb zum ersten Mal buchen willst, dann nutze diesen Gutschein.

Dann betraten wir unsere Wohnung: Wahnsinn! Danke Airbnb! Geil! Wenn wir schwul wären, es wäre total romantisch gewesen. Romantisch war es nicht aber trotzdem cool: vier Schlafzimmer, drei Bäder mit jeweils zwei Rollen Klopapier und zwei Küchen. Das beste war, nebenan gab es eine Ausstellung zur Flüchtlingsproblematik und jeden Abend standen zahlreiche Studentinnen vor der Tür und diskutierten über irgendwas. Im Erdgeschoss gab es ein Restaurant und Cafe mit Bier Happy Hour von 15:00 bis 19:00 Uhr. Wir waren im Paradies. Von da an wollte so wirklich keiner mehr nach Hause und es gab die ersten Ansätze zu konvertieren. Unsere Wohnung war gegenüber der russischen Botschaft in der Istiklal Cd., der größten Einkaufspassage Istanbuls, dort wo auch der letzte Selbstmordanschlag verübt wurde. Für Action, Fun und Abenteuer war ebenfalls gesorgt.

Schalli im Flugzeug

★4 Bedroom★3Bath★Exceptional Flat★

Istanbul, Türkei
*** New: Do not hesitate to ask further details about private or group bosphorus/swimming tours with my private yacht. ***Situated in The Heart of Istanbul.The Apartment Was Kept With The Historic...

Erste Eindrücke und exzellente türkische Küche

Also, wir waren im Paradies. Wir zogen erstmal los und erkundeten die Istiklal Cd. Ich probierte einen ersten original türkischen Döner beim „Kasap Döner“ und wir spazierten in Richtung Taksim Platz. Neben zahlreichen „Fashion-Stores“ gab es auch Läden mit den verschiedensten Leckereien, unter anderem mit Baklava in allen Varianten. Nebenbei achteten wir immer mal, ob jemand einen Sprengstoffgürtel trägt, doch je länger wir flanierten, umso entspannter wurden wir. Wir tauchten ein, in eine Mischung aus tausend und einer Nacht und westlicher Dekadenz. Bier. Wo bekommt man Bier? Laut Medienberichten ist Alkohol in der Türkei verpönt und falls angeboten teuer. Wir fanden nach längerem Suchen einen Spirituosen-Laden mit Wein, Raki und Bier. Eine Bierdose 0,33 zwischen 4 und 5€. Unsere Leber lächelte innerlich, den sie sollte nur mit leichten Schäden diesen Stammtisch-Trip überstehen. Wir kauften einen kleinen Vorrat und Wasser zum nachspülen und kehrten glücklich zurück in unsere Wohnung, um zu überlegen wo wir am ersten Abend dinieren wollen.

Ahmet unser Vermieter war kurzfristig nicht zu erreichen also befragten wir Google, wo man in unserer Gegend gut Essen gehen kann. Es gab zahlreiche Angebote, doch ein Restaurant stach mit seinen Bewertungen heraus und es war nur ca. 500m von unserer Wohnung entfernt. Wir machten uns frisch und zogen in Richtung Tünel (unsere Lieblingsstraßenbahn, doch dazu später mehr) und besuchten das Antiochia Concept. Abgesehen davon, dass wir nie schlecht gegessen haben in Istanbul, dieses Restaurant war absolute Spitze. Sollte man irgendwie nach Istanbul kommen, dieses Restaurant muss man besucht haben. Für 25€ pro Person tischte man uns mehrere Gänge mit feinsten Speisen auf. Auch wenn unser skeptischer spanischer Stammtisch-Genosse einen Nepp befürchtete, wir wurden eines Besseren belehrt. Super, Spitze und Genial, ich komme heute noch ins Schwärmen. Zur Feier des Tages bestellte ich noch eine Flasche Raki. Wir waren angekommen.

Nach diesem Gaumenorgasmus kehrten wir noch kurz in einem kleinem Pub, um die Ecke, ein. Wir verfolgten die erste Halbzeit Liverpool gegen Sevilla und gingen dann in unser schickes Appartement zurück, wo Frank schon das Bett wärmte und Schalli deswegen die Nacht es vorzog bei Faissti zu schlafen. Zumindest planten wir es so. Es wurde laut.

Baklava in Istanbul

Wahnsinn diese Moscheen – Tag zwei in Istanbul

Traditionelles türkisches Frühstück

Ja, die Nacht war kurz. Unterhalb unserer Wohnung befand sich der St. Pauli-Club in Istanbul. Ja ihr habt richtig gelesen: St. Pauli. Es gab Live-Bands, Filme von den Ultras-St. Pauli und nebenan befand sich eine kleine Disco mit großen Boxen, das „Nar Pera“. Somit stand ich gegen 06:30 Uhr auf und beschloss die morgendliche Stimmung in Istanbul zu genießen und spazierte zum Bosporus vorbei am Galata-Turm. Die kleinen Geschäft öffneten so langsam ihre Pforten und es waren nur wenige, vor allem ältere Menschen auf den Straßen, dafür aber umso mehr Katzen. Die Stadt schien so langsam zu erwachen, nur ich hatte nach dieser Nacht das Gefühl, als hätte sie nie geschlafen. Wumm wumm wumm, dröhnte es noch in meinen Ohren. Harry meinte hinterher ich hätte geschnarcht: Wie denn bitte, bei vollem Bewusstsein. Auf meinem Spaziergang konnte ich die ideale Frühstück-Location von Istanbul erkunden, rund um den Galata-Turm. Ich holte mir noch einen Cafe „to-go“ freute mich über das deutsch-türkische Kaffeehaus gegenüber von unserer Wohnung und weckte die Zimmergenossen, was nicht einfach war, denn die meisten hatten Kopfhörer auf.
Frisch geduscht liefen wir dann alle gemeinsam in Richtung Galata-Turm und genossen ein traditionelles türkisches Frühstück im Privato Cafe. Auch hier wieder absolut top. Zwar nicht das günstigste aber dafür reichhaltig, lecker in einem wunderschönen Ambiente, ideal für Verliebte (soll es ja auch in unserem Alter noch geben). Hier planten wir unsere Sightseeing-Tour und wollten von hier aus eintauchen in die türkische Kültür. Erst Galata-Turm, Hagia Sophia und Blaue Moschee, um dann wieder zum gemütlichen Teil überzugehen.

Alter Mann am Bosporus
traditionelles türkisches Frühstück im Cafe Privato Istanbul

Was ist der Islam?

Zuerst ging es mit dem Aufzug zur Aussichtsplattform des Galata-Turm. Was sich unten schon erahnen ließ, die Aussicht ist bombastisch und der Stadtrand ist auch von hier oben nicht erkennbar. Im Gegenteil, je weiter man blickt, umso höher wurden die Gebäude, in alle Himmelsrichtungen. Laut Google soll hier immer dichtes Gedränge herrschen. Der Terroranschläge und Reisewarnungen sei Dank. Wir hatten kein Gedränge und blickten geradezu andächtig in die Weite. Ohne die Toilette zu frequentieren, denn erstaunlicherweise hatte noch keiner von uns bis dahin ein Bier getrunken, (Ich bin sowieso auf Ayran umgestiegen, den von zwei Efes und ein bisschen Raki musste ich in der Nacht stündlich die Toilette aufsuchen und das bei musikalischer Begleitung) fuhren wir wieder runter und wollten zur nächsten Sehenswürdigkeit. Wie kommen wir nun auf den schnellsten Weg zur blauen Moschee? Mit der Tünel!
ie Tünel ist eine unterirdisch verlaufende Standseilbahn. Sie verbindet nur die Stationen Beyoğlu und Karaköy. Man kann sich also nicht verfahren. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht und grübelten über die Auswahl des passenden Ticktes und wie viel Stationen wir fahren müssen. Mit Hilfe eines freundlichen Türken schafften wir es die entsprechenden Tickets für die Fahrt nach unten zu lösen, gingen im Gänsemarsch durch die Sicherheitsschranke, stiegen ein, fuhren 3 Minuten downhill und stiegen erstaunt, wieder aus. Das war die Tünel. Manche rätselten noch was der Sinn dieser Bahn sei, am Abend sollte uns dieser offenbart werden. Aber wie sollte es jetzt weiter gehen, welches Verkehrsmittel und mit welchen Ticket? Ich versuchte es mit Englisch an einem Kiosk, der Verkäufer erklärte mir dann in perfekten Deutsch, wie wir am günstigsten die öffentlichen Verkehrsmittel von Istanbul nutzen können, mit der Istanbulkart. Harry erklärte uns ständig wir sollen niemanden trauen, doch bisher waren alle sehr freundlich hilfsbereit und ausgeraubt hatte uns bis dahin auch noch keiner. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

Die Hagia Sophia

Somit fuhren wir dann mit der Straßenbahn von Karaköy bis zur Haltestelle Gülhane, wo sich die Hagia Sophia und die blaue Moschee in all seiner Pracht auftürmte: Wow! Noch kurz umgeschaut, ob Selbstmordattentäter anwesend waren und dann fix in die Schlange gestellt, zur Besichtigung der Hagia Sophia. Es dauerte 10 Sekunden, dann sprach uns schon wieder ein freundlicher Türke mit einem dicken rechten Backen an, ob wir für 140 Euro inkl. Eintritt seine Führung in Anspruch nehmen wollen? Naiv wie wir sind, unter stummen Protest von Harry, stimmten wir zu und folgten unserem nächsten türkischen Freund durch die Sicherheitsvorkehrungen in die Hagia Sophia. Die Geschichte dieser Kirche kann auf Wikepedia nachgelesen werden, das was unser türkischer Freund erzählte war sehr interessant und er war offensichtlich ein Experte auf seinem Gebiet. Persönlich störte mich, dass er uns und damit auch mich, immer als Christen bezeichnete. Ich habe lange überlegt, ob ich in einen theologischen Diskurs mit ihm gehen soll über die Dialektik der neuzeitlichen Spiritualität, doch ich war zu müde, dann bin ich halt Christ. Irgendwann kam es, wie es in der Türkei offensichtlich immer kommen musste, er fragte uns ob wir unseren Frauen etwas kaufen wollen. Dass wir alle gleichzeitig mit einem deutlichen „Nein“ antworteten, hätte ihn eigentlich stutzig machen müssen bezüglich unserer bibelfestigkeit. Kurze Zeit war er sprachlos. Elegant leitete er über zu der Frage nach unseren Berufen. Ich antwortete stolz: „Krankenpfleger!“ Er dachte sich: „Schwuchtel!“ Harry: „Ich arbeite in der Tourismus-Branche!“ Von da an hatte Harry einen richtig guten Freund, der ihn bald in Barcelona besuchen wird.
Geflasht von den ganzen Eindrücken dünkte es uns danach ganz unislamisch erstmal nach einem kühlen Bier und wir machten uns auf die Suche. Unweit von den Touristenattraktionen schaffte es der gefühlt 50zigste Animateur uns in sein Restaurant zu ziehen, auf die Dachterasse des Sultanahmet Hotel Han. Sollten wir diesmal so richtig über das Ohr gehauen werden? Es war jetzt kein kulinarischer Höhepunkt, aber das Bier vom Fass und die Speisen waren günstig und gut. Wieder nicht reingefallen und auf der Toilette stand sogar eine Klopapierrolle zu viel herum.

Die blaue Moschee

Nach dem leckeren Mittagessen und nach dem Besuch des ersten beeindruckenden Prachtbaus, der eigentlich nur noch mit dem Petersdom in Rom vergleichbar ist, ging es dann wenige 100m weiter zur blauen Moschee. Auch hier wieder nur eine kurze Warteschlange, als Krankenpfleger musste ich zumindest kein Kopftuch tragen aber unsere Schuhe mussten wir natürlich alle ausziehen und in kleine Plastiksäckchen stecken. Während bei uns Plastiktüten immer teurer werden, hier werden sie noch großzügig verteilt, denn der Eintritt war frei. Demütig betraten wir die blaue Moschee und: Wow, Wahnsinn, Riesig, really Impressing! Das erste mal, zumindest bei mir, kam ein Gefühl von Ehrfurcht auf und man konnte ein wenig die Faszination des Islam erahnen, das hatte schon etwas Erhabenes. Es gab natürlich auch deutsche Lektüre: „Was ist der Islam?“ kostenlos zum mitnehmen und man hatte auch die Möglichkeit mit den Angestellten der Moschee darüber zu diskutieren. Die blaue Moschee muss man gesehen haben aber der spirituelle Höhepunkt sollte am nächsten Tag folgen.

All dies Eindrücke mussten erstmal verarbeitet werden und wir entschieden uns zu unsere Wohnung zurückzufahren, denn in dem Cafe neben unserer Wohnung gab es ja die Bier Happy-Hour und die wollten wir nicht verpassen. Also mit Straßenbahn und Tünel zurück zu unserer Wohnung auf direkten Wege ins Parole unsere Stammkneipe in Istanbul.

Galata Turm in Istanbul
Tünel Istanbul
Hagia Sophia Istanbul
Blaue Moschee Istanbul

Fahrt über den Bosporus für 1,30€

In allen Reiseführern wird darauf hingewiesen, man solle unbedingt eine Fahrt über den Bosporus einplanen. Die zahlreichen Touristenboote solle man meiden, günstiger ist die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsschiffen. Wie waren ja schon richtige Profis, was den öffentlichen Nahverkehr in Istanbul angeht. Mit der Tünel runter zum Hafen, mit der Istanbulcard abgestempelt und rein ins erste Schiff, was auch gleich los fuhr. Wir hatten keine Ahnung wohin die Reise ging aber die Fahrt war eindrucksvoll und wunderschön. Nach ca. 20 Minuten legten wir am Hafen von Kardiköy an. Da wir keine Ahnung wo wir sind stiegen wir einfach in das nächste Boot am Hafen, was auch kein Bier verkaufte. Kurz vor Abfahrt bemerkten wir noch dieses Schiff fährt in uns noch unbekanntere Gefilde Istanbuls. Wir stiegen schnell aus und fragten ganz naiv einen Kapitän auf dem Schiff, auf dem wir kurz zuvor die Überfahrt machten, wo er denn hinfahre: Nach Karaköy. Was für ein Zufall, da wollen wir hin. Somit haben wir mit einmal Ticket lösen es zweimal über den Bosporus geschafft. Die Einfahrt in den Hafen von Karaköy bleibt wahrscheinlich unvergesslich.

Sonnenuntergang in Istanbul
Nach der spannenden und romantischen Bosporus-Fahrt hatten wir natürlich Hunger. Wir hatten einen Restaurant-Tipp von unserem Vermieter, also entschieden wir dort hinzugehen. Diesmal wollten wir uns aber die Kosten für der/die/das Tünel sparen und wir stiegen per pedes die Galata-Höhe hinauf.
Stammtisch am Galata Turm

Basar und Wasserpfeife – teşekkür

Ab 03:00 Uhr konnte man ganz gut schlafen und so standen wir frisch und munter auf und genossen ein All-You-Can-Eat Buffet in unserer Stammkneipe. Gestärkt ging es direkt zum Tünel und wir fuhren unseren üblichen Weg zur Galata Brücke, die wir diesmal zu Fuß überqueren wollten. Wir beobachteten die zahlreichen Angler, es hatte etwas Beruhigendes. Irgendwie wirken die Menschen alle nicht so gestresst wie bei uns. Unser erstes Ziel heute war der Basar. Dieser schien auch etwa 100m von der Brücke entfernt zu beginnen. Wir suchten noch eine öffentliche Toilette, doch ohne Erfolg. So stürzten wir uns ins Gedränge. Nach etwa weiteren 100m kam der Eingang in den ägyptischen Gewürzbasar, der Mısır Çarşısı. Es hätte schön werden können, sobald man aber nur aus den Augenwinkel einen Gewürzstand anlinste wurde man sofort vehement zum Tee eingeladen. „Köln, Stuttgart, München, Hamburg“, entweder sie zählten deutsche Städtenamen auf oder man lockte uns mit Freibier, ich fühlte mich als deutscher auf Bier reduziert und diskriminiert. Keiner nannte Fürth, tja Pech gehabt, so kaufe ich nichts. Ich schaltete auf Tunnelblick und war mit Kusber und Schalli als Erster wieder draußen aus dem Shopping-Moloch. Die andren Genossen hatten wir verloren. Sollten sie nun hilflos Teppiche kaufen müssen, von türkischen Profi-Händlern abgezockt? Kann nicht sein, Harry war doch dabei.
Über Handy hatten wir sie wieder gefunden, sie flüchteten zu unserem Ausgangspunkt. Also das mit dem Basar ließen wir lieber, also doch lieber Kültür. Faissti schlug das archiologische Museum vor. Wir ignorierten ihn freundlich. So ne Moschee wäre doch auch nochmal schee. Die Süleymaniye Moschee soll die schönste Moschee in Istanbul sein, also machten wir uns auf dem Weg dorthin. Vorher zockte Harry noch professionell einen kleinen türkischen Jungen mit zwei Ayran ab, der uns eigentlich nur Wasser verkaufen wollte.
Auf den Weg zur Moschee kamen wir noch an zahlreichen Läden vorbei, mit rosa Stoffbären, Handyschalen, Kochtöpfen, Rohren, Schachspielen und und und. Das angenehme war, keiner wollte uns etwas verkaufen, wir sahen auch nicht wie Liebhaber von rosa Stoffbären aus. Nach 15 Minuten erreichten wir den Innenhof der Süleymaniye Moschee.

Angler auf der Galata Brücke
Ägyptischer Basar in Istanbul

Süleymaniye Moschee Istanbul

Stille. Außerhalb der Mauern tobte die Stadt und hier drinnen: Stille. Zuerst besuchten wir den Moscheefriedhof mit den Mausoleen des Sultans und seiner Familie. Danach gingen wir zum Eingang der Moschee, zogen unsere Schuhe aus und betraten die Moschee. Wer mich kennt weiß, dass ich spirituell etwas abgehoben bin und den kleinen Schamanen-Schein habe. Ob ihr es glaubt oder nicht, eine solche Energie spürt man selten. Ich fand es berauschend. Doch es war Zeit für das Mittagsgebet und wir mussten als Ungläubige die Moschee wieder verlassen. Wir hatten schon wieder Hunger, zumindest ich.
Wir liefen wieder zurück in Richtung Galata-Brücke als wir in eine Gasse blickten mit kleinen bunten Fesselballons. Da keine Drogen genommen wurden wunderten wir uns kurz über die illustre Dekoration, da sprach uns schon ein türkischer Freund an, ob wir nicht sein Restaurant besuchen wollen. Na gut warum nicht, vertrauensvoll folgten wir ihm. Wir folgten über mehrere Stockwerke durch zahlreiche Baustellen bis wir auf einer Dachterasse ankamen, die ihren Namen wirklich verdient hatte. Ein traumhafter Blick über ganz Istanbul offenbarte sich vor unseren Augen. Jetzt noch ein Bier vom Fass und alles passt. Wir blickten direkt auf die Süleymaniye Moschee, vielleicht war das der Grund warum es keinen Alkohol gab. Egal, dann halt einen Döner. Gab es auch nicht, es war noch Frühstückszeit. Um 14:00Uhr? Egal, dann eben eine Limo, ein Toastbrot und eine Wasserpfeife mit Apfeltabak. Es war richtig schön im Sefa-i Hürrem Cafe Restaurant. Und sogar Faissti ließ sich dazu hinreisen mal zu winken.

Süleymaniye Moschee Istanbul
Wasserpfeife im SEfa-i-Hürrem Cafe Restaurant
Auch die schönste Zeit geht irgendwann vorbei und es rief die Bier-Happy-Hour im Parole. Wir zahlten und gingen zurück und kauften auf dem Weg noch einen Becher frische Zitrone-Minz-Limo von einem türkischen Limo-Mann. Erfreulicherweise kamen wir noch an einem Gewürzstand vorbei an dem wir in Ruhe die Gewürze betrachten konnten und erst auf Nachfrage man uns freundlich Auskunft gab. Hier deckten wir uns noch mit frischen Gewürzen ein, um dann mit der Tünel wieder zurück zu unsere Wohnung fuhren und uns günstig ein paar frische Gerstensaftschorlen genehmigten.
Limo-Mann Istanbul

Der letzte Abend bei Humus und Kebab

Nachdem wir am Vortag keinen Tisch im Asmali Cavit bekommen hatten reservierten wir rechtzeitig einen Tisch. Einige von uns hatten doch ein schlechtes Gewissen, wenn sie mit leeren Händen zuhause ankommen sollten und beschlossen noch einkaufen zu gehen. Ich kaufte mir Schuhe und genoss das bunte Treiben und die Menschen in Istanbul. Wenn das der Islam ist, dann finde ich ihn echt cool. Hier ist Montag früh mehr Lebensfreude als auf allen fränkischen Kirchweihen zusammen. Man trifft sich auf der Straße, musiziert zusammen und alles wirkt entspannt. Intoleranz scheint zumindest hier kein Problem zu sein. Ist das die Türkei oder nur ein idealisierter weltoffener Ausschnitt eines Landes, das in eine Monarchie abrutscht?

Ein wichtiges Verkehrsmittel habe ich bisher noch unterschlagen. Letzter Abend im Asmali Cavit in IstanbulDer Tünel ist nicht nur eine Standseilbahn sondern es gibt noch eine Tram, die zwischen Taksim-Platz und der Station Beyoğlu verkehrt. Sie fährt entlang der Istiklal. Kurz überlegte ich, ob ich auch, wie die Kinder, während der Fahrt aufspringen sollte. Ich wollte meine neu erworbene Auslandskrankenversicherung nicht gleich in Anspruch und ließ von dem Gedanken ab. So gegen 19:00 Uhr machten wir uns schick und kehrten im Asmali Cavit ein. Es war so richtig türkisch. Keine Touristen und auch keine Terroristen waren anwesend. Wir haben zwar nur einen Tisch im hintersten Eck bekommen aber wir wurden sehr freundlich bedient und schon bald kam der Kellner mit einem Servierwagen voller leckeren Vorspeisen zu uns an den Tisch. Ahmet unser Vermieter hat uns mal wieder nicht enttäuscht. Wir genossen den Abend bei Bier und Ayran, ein würdiger Abschluss.

Da wir nun die Musik in den beiden Discos unterhalb unserer Wohnung auswendig kannten beschlossen wir den letzten Abend dort ausklingen zu lassen. Das Publikum unterschied sich kaum von den jungen Leuten in anderen Metropolen, ob Berlin, London oder New York, hier schien es keinen Unterschied zu geben und 20 Jahre jünger man hätte den einen oder anderen Annäherungsversuch noch gewagt. Die Zeiten sind ein für alle mal vorbei und so genossen wir es einfach nochmal jung zu sein.

Kinder springen von der Tünel Tram Istanbul
Letzter Abend im Asmali Cavit in Istanbul

güle güle – Istanbul

Irgendwann geht auch die schönste Zeit zu Ende. Ich persönlich fand es richtig geil in Istanbul, trotzt Reisewarnung, Flüchtlingskrise und Terrorergefahr. Ich hätte es echt bereut nicht hingefahren zu sein. Was der Islam wirklich ist, weiß ich bis heute nicht. Auf alle Fälle gibt es auch eine wirklich schöne und coole Version des Islam, aber so ist es ja mit allen Religionen, wenn man das wahre Wesen von Gott, Nirwana, Brahman, Nichts oder was auch immer, als wahrer Mensch verstanden hat. Ich würde jederzeit gerne wieder in die Stadt von nervigen Basarverkäufern und muslimischer Gelassenheit zurückkehren.
Wir genossen zum Abschluss ein letztes mal ein deftiges Frühstück im Cafe Mado. Und auch beim letzten mal wurden wir nicht enttäuscht. Die letzte Stunde spazierten wir noch einmal die Istiklal hinauf zum Taksim-Platz, um noch eine weitere Sehenswürdigkeit auf unserer To-Do-Liste abhaken zu können und genossen noch einmal die Lebendigkeit Istanbuls. Wir störten noch kurz den Gottesdienst in einer christlichen Kirche und warteten auf Schalli der noch ein weißes Pulver von einem Syrer entgegennahm, das er mit nach Deutschland bringen sollte. Harry fuhr schon eine Stunde früher zum Flughafen. Wir durften noch am letzten Tag eine erste U-Bahnfahrt zum Flughafen bewältigen. Es war erstaunlich leer in der U-Bahn. Ungewohnt war die Taschenkontrolle, bevor man in die U-Bahn steigen durfte. Mit der Istanbulkart waren wir inzwischen Profis, wenn da nicht eine undeutliche Anzeige gewesen wäre, bevor man in die U-Bahn in Richtung Flughafen steigt. Wir prüften noch kurz, ob der Geldbetrag auf der Karte ausreicht, als eine fränkische Stimme (ich weiß nicht mehr wer es war) von hinten ruft, es kostet 5 TL (tükische Lira). Na dann, langte das Geld nicht, alle kratzten ihr restliches Geld zusammen und wir warfen Münzen in den Automaten, was unser Geldbeutel hergab. Bis einer rief: es kostet nur noch 4 TL. Häh? Werden hier Ticketpreise an der Börse verhandelt. Was war die Quelle der Information. Auf einer elektronischen Anzeige stand neben dem Zielbahnhof „4dk“. Das türkische Wort für Minute heißt auf türkisch: „dakika“. Gott sei Dank fuhr die U-Bahn nicht in 10 Minuten, wir hätten sonst nochmal Geld wechseln müssen. So zahlten wir nahezu unser gesamtes Bares auf die Istanbulkart ein, was eigentlich nie nötig gewesen wäre nur weil unser Türkisch ausbaufähig war und immer noch ist. Wir haben jetzt eine reichlich aufgeladene Istanbulkart. Wer demnächst nach Istanbul fährt und ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr benötigt, der kann sich bei mir melden. Eine Person kann locker ungefähr für eine Woche umsonst in Istanbul herumfahren.
Der Flug verlief reibungslos, bis auf einen kleinen Zwischenfall mit einem Passagier mit Turban. Wir beteten und so konnten wir auch dieser Gefahr trotzen und landeten pünktlich auf einem Flughafen nahe Fürth. Schee wars, ach und wer ist eigentlich Erdogan?

Taksim Platz Istanbul
Abflug vom Flughafen Istanbul

Unsere besuchten Orte und Lokalitäten

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Meine letzten Berichte

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Prag Teil 2 – Interessante Orte

Prag Teil 2 – Interessante Orte

Prag Stammtischreise Tag 2

Interessante Orte
Tag 1 in Prag
Nach dem Rausch im Bett

Foto: spudnique / photocase.de

Der Tag danach-Prag Tag 2

Nein liebe Ehefrauen, so sah es nicht in unserem Zimmern aus und nur wenige litten unter den Folgen der letzten Nacht. Wie waren fast alle „quietschfidel“ und freuten uns schon am Vormittag auf einen sonnigen Tag in Prag mit vielen neuen Erlebnissen und kulinarischen Höhepunkten, mal ganz ohne Erotic.

Unser erstes Ziel an diesem Tag war die „John Lennon Wall„. Entlang der altbekannten Ujzed bewunderten wir die typischen Prager Fassaden, als die Ersten schon wieder Druck auf der Blase verspürten. So bogen wir zuerst ab in einen kleinen Park an der Moldau mit dem schönen Namen „Kampa“. Dort hatten wir einen schönen Blick auf gelbe Pinguine, die in einer Linie auf einer Mauer in die Moldau hinein ragten. Sollten die Folgen der letzten Nacht noch spürbar sein? Nein, es gab sie wirklich, die Fotos sind der Beweis.

Wir genossen die warmen Strahlen der Frühlingsonne und gingen geschlossen in die öffentliche Toilette des kleinen Museums am Rande der kleinen Parkanlage. Wir verließen den Park durch den nördlichen Ausgang und nach ca. 200 m erreichten wir bereits das John Lennon Pup und somit war es nur noch ein Katzensprung bis zur John Lennon Mauer.
Die Atmosphäre an dieser Mauer war so extrem friedlich, dass sogar ein Kleeblatt Fürth (dreimaliger deutscher Meister) Fan sich mit einem Fan der Ostvorstadt (Rekordabsteiger) zu einem gemeinsamen Bild vor der Mauer bereit erklärte (siehe oben). Es entstand ein Bild mit enormer Symbolik und Ausdruckskraft, welches kurz hoffen lässt, dass all der Hass auf der Welt doch durch die Liebe verdrängt werden kann und Frieden selbst zwischen Nürnberg und Fürth einziehen könnte. Nachdem der Auslöser gedrückt war, war auch der Frieden wieder weg und aus kleinen Engeln wurden wieder Menschen und die Zwietracht durchdrang die weitere Kommunikation.
Wir lauschten noch einige Minuten dem gefühlvollen Barden und setzten danach in gelöster Stimmung unseren Weg fort.

Prager Schinken

Der Weg zum Biergarten und das Drama mit dem Prager Schinken

Wir überquerten wieder die Moldau auf der Karlsbrücke. Wie waren schon über eine Stunde unterwegs und erste Stammtischmitglieder plagte Hunger und Durst. Schalli hatte sich vorbildlich vorbereitet und auf seinem kleinem handgemachten Biergartenführer empfahl sich ein schöner Biergarten in einem Park, ca. 30 Gehminuten von der Innenstadt entfernt. Doch ich erinnerte mich an das knusprige Stück Schinken an dem Street-Food-Stand auf dem Altsdtädter Ring und fordert eine kleine Pause ein. Es gab eine kurze Beratung, Vegetarier waren nicht anwesend, so konnte ich problemlos alle davon zu überzeugen einen Abstecher auf dem Altstädter Ring zu machen. Es war ein Fehler!

Blumenladen in Prag

Ich reihte mich in die Schlange am Schinkenstand, Harry direkt hinter mir, Jochen stand beratend daneben. Ich bestellte auf feinsten Englisch ein Stück Schinken mit einer Schüssel Nudeln mit Kraut, ich nenne sie ab jetzt „Schupfnudeln“. Ein halbes Schwein landete auf dem Plastikteller, der dicke Tscheche nannte den Preis, ich reichte ihm zitternd ein Bündel Geld und weg war das Geld. Ich wollte Harry noch warnen, doch es war zu spät. Er orderte und zahlte dasselbe. Es kam zur Eskalation. Wir zahlten für den Batzen Fleisch so viel, wie für ein zwei Gänge-Menü mit drei Bier in einem guten Prager Restaurant. Die „Schwaben“ in unserer Gruppe, berechneten sofort den Preis-Leistungs-Index und sie konnten nur durch einfühlsame Mediation wieder beruhigt werden und es wurden von den „Griechen“ unter uns einzelne Zugeständnisse gemacht. Hunger war zumindest für alle gestillt, den Topf trockene Schupfnudeln spendeten wird den Tauben.

Die Kalorien mussten erstmal verbraucht werden. Zum Glück lag der Wunschbiergarten auf einer Anhöhe. Etwas Bewegung tat uns allen wirklich gut. Wir bogen auf eine Einkaufstraße mit Shops, die von der Preisgestaltung auf eine andere Zielgruppe ausgelegt waren. Also Augen zu und durch. Jedoch die renovierten Häuser waren durchaus ansehnlich. Bulgari, Lagerfeld, Chanel und Co, ein Hauch von urbaner Dekadenz im Gegensatz zum Abend zuvor, equilibrierte uns wieder in das Gleichgewicht (Geniale Überleitung zum Prager Metronom, das wir gleich besuchen werden). Ein kleiner romantischer Blumenladen fand unser aller Sympathie, wären unserer Ehefrauen anwesend gewesen, wir hätten alle (ok fast alle), ein kleines Blümchen unseren „Liebsten“ gekauft. Es war aber keine Frau da. Bald erreichten wir die Moldau. Über die Brücke musste laut unserem Reiseführer und Google Maps unser angestrebter Biergarten liegen.

Treppen zum Letenská pláň

Es gab Opfer.

Was wir nicht bedacht hatten waren die Treppen. Es war nicht immer sicher, ob wir alle oben ankommen werden. Es wurden mehrere Pausen eingelegt. Unser Alter wurde uns auf widerwärtige Art und Weise wieder offensichtlich. Noch schwarz vor Augen erreichten wir doch alle den 250 m hohen Gipfel und es offenbarte sich zum zigsten male ein wunderbarer Blick über die immer noch nicht goldenen Dächer von Prag. Das Prager Metronom (einst stand hier das Stalin-Denkmal) schwang im dumpfen Gleichklang mit unserem Puls und Skater hüpften mit Boards auf den Treppen und Geländer auf und ab. Wir wollten nur noch Bier. Es sollte nicht mehr weit sein, unser aller Begehr. Nach 10 Minuten erreichten wir nach all den Strapazen gegen 14:00 Uhr zum ersten Mal an diesem Tag einen Biergarten. Wir waren glücklich.

Der Biergarten und der Park von Letná

Wir hatten schnell das erste Bier bestellt und genossen den wunderschönen Ausblick über die Moldau auf die Prager Altstadt. Doch unser Platz war ungünstig gewählt. Direkt neben uns spielten sich seltsame Szenen. Es war eine Gruppe von Nerds, Mitte 30, die einen Junggesellen-Abschied feierten. Die Atmosphäre war ziemlich introvertiert, man kannte sich nicht wirklich, aber man kicherte über jeden Scheiß. Es waren Deutsche, Österreicher/innen waren auch dabei. Irgendwann zog sich einer der Pfeifen ein „Ganzkörperkondom“ an und man begann ihn mit archaischen Symbolen, wie Sonne, Blume und Hund, bunt zu bemalen. Dann gingen sie auf die Suche nach Freiwilligen, die bereit waren ihren Infantilismus auszuleben. Zum Glück ignorierten sie uns, man bemerkte wohl die frostige Stimmung. Dann geschah das Unfassbare, zwei junge hübsche Tschechinnen stürzten sich auf den verpackten Unsympath und malten wild auf ihn ein. Sie bemalten sich dann noch gegenseitig, Bodypainting? Bevor es aber für uns doch wieder interessant zu werden schien, hielten sie ein. Nach dem zweiten Bier wurde es uns doch zu bunt und wir entschieden aufzubrechen und in Richtung Hradschin den Park zu durchqueren.

Im Letna Biergarten in Prag

Der „Letenské sady“ ist trotz seiner zentrumsnahen Lage nach wie vor ein beliebter Naherholungsort der Prager Bevölkerung. Der Blick auf die Moldau und die Prager Altstadt ist sicher einer der schönsten Panoramen, die wir an diesen Tagen genießen durften. Viele Skater hüpften weiterhin mit ihren Boards über die Stufen und Rampen und wir versuchten einen spektakulären Fail mit unseren Smartphones zu erwischen. Leider passierte nichts. Wenige hundert Meter breitete sich ein kleines Idyll vor uns aus. Eine liebevoll angelegte Anlage mit einem Fels, in dem sich elegante Figuren aufreihten und sehnsuchtsvoll in die Welt blickten. In goldenen Lettern rankte der Name „Julius Zeyer“ über den Statuen. Er war ein böhmischer Schriftsteller, Dichter und Dramaturg deutsch-französischer Abstammung. Seine epische Lyrik beschäftigte sich mit der glorreichen tschechischen Geschichte, mit der er das nationale Bewusstsein stärken wollte. Genug Kultur.

Blick auf Moldau

Der „Letenské sady“ ist trotz seiner zentrumsnahen Lage nach wie vor ein beliebter Naherholungsort der Prager Bevölkerung. Der Blick auf die Moldau und die Prager Altstadt ist sicher einer der schönsten Panoramen, die wir an diesen Tagen genießen durften. Viele Skater hüpften weiterhin mit ihren Boards über die Stufen und Rampen und wir versuchten einen spektakulären Fail mit unseren Smartphones zu erwischen. Leider passierte nichts. Wenige hundert Meter breitete sich ein kleines Idyll vor uns aus. Eine liebevoll angelegte Anlage mit einem Fels, in dem sich elegante Figuren aufreihten und sehnsuchtsvoll in die Welt blickten. In goldenen Lettern rankte der Name „Julius Zeyer“ über den Statuen. Er war ein böhmischer Schriftsteller, Dichter und Dramaturg deutsch-französischer Abstammung. Seine epische Lyrik beschäftigte sich mit der glorreichen tschechischen Geschichte, mit der er das nationale Bewusstsein stärken wollte. Genug Kultur.

Klosterbiergarten in Prag

Touristenabzocke im Kloster

Auf romantischen Pfaden wandelten wir kleine Prinzen hinauf zum Hradschin. Die Sonne schien und wir schwitzten. Um eine Austrocknung zu vermeiden brauchte es ein neues Ziel: Biergarten oder Bierkeller, egal.
Wer erinnert sich? Schalli wollte unbedingt einen Bierkeller in der Nähe des Hradschin besuchen. Er hatte sein Vorhaben nicht aufgegeben. Auf dem Domplatz angekommen zog es uns zielstrebig zu dem gewünschten Objekt. Es war wieder brechend voll. Doch Schalli wäre nicht Schalli, wenn er nicht Alternativen gehabt hätte. Wir gingen die Straße weiter. In der Zwischenzeit bekam der Eine oder Andere ein schlechtes Gewissen, weil er noch kein Mitbringsel für seine Liebsten zu Hause besorgt hatte. So kam es immer wieder zu kurzen Pausen, weil man das hiesige Angebot in den zahlreichen Souvenirläden durchstöbern musste. Der „kleine Maulwurf“ war noch das wertvollste Stück Erinnerung an Prag. Was tun? Wir bilden einen Arbeitskreis im nächsten Biergarten.

Wir glaubten eine gute Wahl getroffen zu haben. Es war ca. 16:00 Uhr, Durst hatten wir immer und ein kleiner Snack für unterwegs wäre prächtig. Was für den einen zwei Stück Pizza sind, ist für den Anderen eine ganze Ente. Gewichtsverlust musste generell vermieden werden, ebenso wollte wir unbedingt ein Absinken der Cholesterin-Spiegel vermeiden. Das Restaurant Velká klášterní half uns hierbei. Das Essen war nicht das schlechteste, wir wurden auch flott bedient und das Ambiente angenehm. Da bei Einigen die Angst im Nacken saß, dass man mit leeren Händen nach Hause müsste wurde einheitlich beschlossen zurückzukehren zum Hardrock-Cafe, um dort die notwendigen Geschenke zu besorgen. Wir mussten nur noch zahlen. Wir orderten die Rechnung. Sie wurde uns vorgelegt. Wir erstarrten. Wir bezahlten. Die Kellnerin zog sich in die Klostermauern zurück.

Klosterbiergarten Prag Bewertung

Sollte der Wechselkurs explodiert sein? Haben wir etwas beschädigt? Ich gab zu ich hab mein Smartphone an einer Steckdose heimlich aufgeladen. War das die Strafe? Die Ersten erwachten aus der Schockstarre. Man begann zu rechnen, wieso zahlten wir für das halbe Essen und die gleiche Menge Gerstensaft plötzlich den doppelten Betrag? War Faisstis Ente eine chinesische Edelente? Eine kleine Gruppe beschloss die Kellnerin zur Rede zu stellen. Sehr schnell war der enorme Betrag geklärt, es war das selbstgebraute Klosterbier. Wir hatten die heilige Aura des dort gebrauten Gerstensaft nicht gewürdigt und unreflektiert in unsere Kehlen geschüttet. So blieb nur die Rache über Google+. Schnell weg!

Hradschin und Karlsbrücke am Abend

Gemütliches Abendessen zum Ausklang

Und wieder wankten wir über die Karlsbrücke auf direkten Weg zum Hardrock-Cafe in Prag. Hier konnte sich jeder mit dem notwendigen Mitbringsel für Frau und Kind/er eindecken und die restlichen gemeinsamen Stunden in Prag noch genießen, keiner musste mehr ein schlechtes Gewissen haben. Nach der kulinarischen und finanziellen Enttäuschung bei unserer letzten Einkehr, durften wir bei unserem abschließenden gemeinsamen Abendessen keinen Fehler machen. Wer sich erinnert, am vorigen Tag wurden zwei Restaurants auf Google+ empfohlen, das eine hatten wir bereits getestet, das Andere, was sehr einladend aber voll sich präsentierte, sollte unser heutiges Ziel sein.

Abendessen im Kolkovna Olympia

Der Abend brach herein und die Frühlingssonne ließ die Prager Silhouette langsam in einem orangefarbenen Gewand vor unseren Augen verschwinden. Unser letzter Abend, unsere letzte Nacht, nie wieder werden wir so jung zusammenkommen. Wir waren müde und die letzten Tage und Stunden steckten tief in unseren alten Gebeinen, doch wir wollten noch einmal die Gläser heben und gemeinsam speisen.
Scheiß auf die Romantik unser Ziel war das Restaurant „Kolkovna Olympia“ und wir hatten Glück, es gab einen Tisch für 8 Personen. Wir wurden nicht enttäuscht. Wie ich fand, war es eines der besten Restaurants (virtueller Rundgang), die wir an diesen Tagen in Prag testen durften. Gewürdigt wurde es wieder mit einem Eintrag in Google+. Wir gingen anschließend müde aber glücklich zurück zu unserem Hotel und legten uns alle, ok fast alle, schlafen. Am nächsten Tag fuhren wir direkt nach dem Frühstück mit dem Bahn-Bus wieder nach Haus, wo unsere Frauen und Kinder uns liebevoll in die Arme nahmen und uns in der Heimat wieder „Willkommen“ hießen. Imagine all the people 🙂 !

Bewertung Olympia Restaurant Prag

Es waren drei schöne Tag die wir friedlich und ohne Eskapaden, wie echte Männer eben, miteinander verbringen durften. Wir konnten auch alten Zeiten wieder aufleben lassen, sicher nicht mehr ganz so exzessiv wie früher, man merkt uns das Alter nun doch schon an, aber wir sind im Herzen immer noch jung und zeitweise kindisch, möge uns diese Gabe bis zum Ende erhalten bleiben.

Bis zum nächsten Stammtischausflug 2016.

In diesem Sinne
Emma

Meine letzten Berichte

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Prag

Prag

Reisebericht Prag 2015

Unsere zweite Stammtisch Reise in die Stadt des billigen Biers

Die Busreise und Ankunft in Prag

Einmal im Jahr fahren die älteren Herrn vom Stammtisch „Stammtisch“ (ein offizieller Name wurde nie deklariert) in eine Metropole, um gemeinsam etwas zu erleben. 2014 war es Barcelona dieses Jahr ist es die Stadt der billigen Biere und Fleischberge: Prag.
Eigentlich wollten wir nach Amsterdam aber wir konnten leider kein adäquates Hausboot chartern und haben uns daraufhin spontan für die kostengünstigere Variante im ehemaligen Ostblock entschieden. Der Bus nach Prag wurde mit einem Gruppentarif über die DB gebucht. Bei der Abfahrt kam es zu der für die Deutsche Bahn üblichen Verspätung (ein Busfahrer-Streik war nicht angekündigt). So genossen wir, auf anraten von Schalli, noch die Sonne in Mordor, äh Nürnberg.

Gruppenbild am Bahnhof in Nürnberg
Schalli trinkt Bier im Bahnbus

Die Fahrt gestaltete sich kurzweilig. Dank W-Lan (Passwort: IC BUS Bahn; falls jemand W-Lan benötigt, wenn er in der Nähe von einem Bahnbus steht) und den mitgebrachten Erfrischungsgetränken kamen wir, von einem kleinen Stau abgesehen, flott und munter in Prag am Hauptbahnhof an. Der Prager Hauptbahnhof stellte kein Problem dar. Pfülbi kannte zumindest den Weg zur Straßenbahn, wir mussten zuvor nur noch Tickets für die Straßenbahn lösen und uns an die Umrechnung von Euro in tschechische Kronen anfreunden.

Nachdem wir an einem tschechischen Bankautomaten uns mit dem notwendigen Bargeld eingedeckt hatten, ging es direkt zur Strambers-Haltestelle. Nach wenigen Minuten und wenigen Haltestellen später trafen wir gegen 21:00 Uhr in unsrem Hotel ein. Die Party kann beginnen.

Red and Blue, unser Motto und der Name des Hotels

Auf Empfehlung von Pfülbi entschieden wir uns für das Hotel „Red and Blue Design Hotel“ in Prag. Für ca. 75 Euro die Nacht und pro Person, inkl. Frühstück, war das Hotel günstig und gut. Es gab lecker Frühstück, saubere und moderne Zimmer und freundlichen unaufdringlichen Service. Die Lage war etwas außerhalb vom Zentrum und die Straßenlaternen reaktionsschnell. Ein gutes Hotel auch für romantische Wochenenden mit der Frau (dieser Text ist für die Angehörigen). Innerhalb weniger Minuten waren wir aber alle bereit, um zum ersten Mal gemeinsam tschechisches Bier und Essen zu genießen.

Einzug in Hotelzimmer Red and Blue in Prag

Der erste Abend in Prag

Noch relativ fit begaben wir uns nicht direkt in das tschechische Nachtleben. Wir wollten den Abend altersgemäß langsam angehen. Pfülbi empfahl uns das Restaurace U Dělového Kříže. Und es war gut. Gut war vor allem der Bierpreis, die letzten saßen noch gar nicht am Tisch, da hatte Schalli schon acht Bier bestellt. Der Begriff Bier ist international und unproblematisch im Vergleich zu den tschechischen Speisen. Dank der englischen Speisenkarte erlebte keiner eine Überraschung bei der Darreichung der Speisen. Ich hatte einen Burger gegessen, andere einen Topf mit verschiedenen Fleischgerichten oder auch Gulasch mit Knödel und extrem viel Knoblauch.

Speisekarte Restaurace U Dělového Kříže

Es war klar, dass dies nicht die vegetarischen Wochen werden, von vegan ganz zu schweigen. Der Knoblauch war für den deutsche Gaumen ebenfalls extrem, aber damit war klar, mit Frauen wird es zu keinen Unannehmlichkeiten kommen. Die meisten stanken extrem.

Nach einigen Dutzend Bieren und Becherovka und deftigem Essen staunten wir über die Rechnung. 3200 Kronen, etwas über 100 Euro für alle zusammen. Tja, da ging noch was. Wir über die Straße und einige Absacker bestellt. In einer Theaterkneipe, die uns noch einen kulturellen Höhepunkt bescheren wird. Doch dazu später mehr.

Letztendlich war es eine stressfreie Anfahrt und der erste Abend war im Rahmen dessen, was man Mitte 40 noch leisten kann. Der inzwischen niedrigere Testosteron-Spiegel bescherte uns einen schwungvollen aber nicht überschwenglichen Abend, so dass wir uns alle gegen 01:00 Uhr gemütlich in unsere Betten kuscheln konnte, um Kraft zu tanken für Prag und Schallis Bierkeller-Tour.

Wanderung zur deutschen Botschaft in Prag

Wieso wählt der Autor hier in der Überschrift den Begriff „Wanderung“. Mit „Wanderung verbindet man Berge, steile Aufstiege, Blasen an den Füßen, Rast und Natur. Bei einem Städtetrip eher unüblich, doch nicht bei uns. Wir suchten den kürzesten Weg zur Prager Burg, fanden ihn auch, zumindest Luftlinie. Aber egal, wenn deutsche im Ausland sind muss man immer zuerst zur deutschen Botschaft: Falls einem der Pass verloren geht, man wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit im Gewahrsam landet oder man wegen ähnlicher Vergehen Schwierigkeiten im Ausland bekommt. Also wanderten wir zuerst dorthin in der Hoffnung die Kanzlerin zu sehen.

Memorial to the Victims of Communism

Auf den Weg dorthin schlenderten wir anfangs die Újezd entlang. Vorbei am Klub Újezd den wir am Abend noch besuchen werden. Gegenüber des Klubs befindet sich das Mahnmal der Opfer des Kommunismus.

„We’ll never know the names of all who perished, but at this sacred place, communism’s unknown victims will be consecrated to history and remembered forever. We dedicate this memorial because we have an obligation to those who died, to acknowledge their lives and honor their memory.“- George W. Bush, der alte Kapitalist.

Vor Deutscher Botschaft in Prag

Das Mahnmal befindet sich am Fuß des Petrin. Auf diesen Berg kann man auch mit einer Zahnradbahn fahren, doch nicht an Feiertagen. Somit mussten wir (warum wir mussten weiß ich allerdings bis heute nicht) den Berg zu Fuß erklimmen. Doch für die Strapazen wurden wir mit dem Ausblick über die goldenen Dächer (wo auch immer die sind) von Prag belohnt.
Nach einer Rast erblickten wird bereits nach kurzer Zeit die deutsche Botschaft unten im Tal. Ein gefühlt langer Abstieg lag vor uns, doch mit guter Laune, ohne Alkohol und einem fröhlichen Lied auf den Lippen kamen wir gut gelaunt bei dem Botschaftsgebäude an und versammelten uns vor dem Eingang und harrten der Dinge die da kommen. Doch es kam nichts. Ich klingelte. Niemand öffnete. Egal. Noch fix ein Gruppenbild, kurz die Nationalhymne angestimmt und auf den Weg gemacht zur Prager Burg.

Der Aufstieg zur Prager Burg

Haus in Prag

Gegen Mittag erreichten wir den Gipfel und wir wurden wieder mit einem Blick über die Stadt mit den goldenen Dächern (keine zu sehen, wurscht) belohnt. Wir machen Selfies mit unseren Gesichtern, Selfies mit selfies-machenden Mädels, Gruppen-Selfies und halt noch irgendwelche Bilder mit Touristen und Starbucks. In New York wundert es einen nicht, wenn man an jeder Ecke überteuerten Kaffee in Plastikbechern trinken kann, auf der Prager Burg hatte ich es jedoch nicht erwartet. Nein, wir haben keinen Kaffee bestellt, den tranken wir nur bis ca. 09:00 Uhr am Morgen, von da ab tranken wir generell nur noch Bier und Becherovka, was wir jedoch bis zu diesen Zeitpunkt noch nicht genossen hatten. Nach einer kurzen Pause zum Verarbeiten der bis dahin gesammelten Eindrücke zogen wir los um über den Burghöfen zum Veitsdom zu gelangen. Das Bier war nicht mehr weit.

Rund um den Veitsdom

Zuerst lösten wir die Wache zum Eingang in den Burghof ab. Alle Mann rein in die kleine Hütte und alle Touristen freundlich begrüßt. Da wir aber noch mehr von dem Weltkulturerbe, dem Hradschin sehen wollten, gingen wir weiter in den 2 Burghof. Viele Touristen aus aller Herren Länder tummelten sich auf dem Platz, doch große Begeisterung kam nicht auf. Also weiter durch das zweite Tor und etwas Schönes tauchte vor uns auf. Eine blonde Frau in Begleitung eines… Äh der Veitsdom baute sich vor uns imposant auf. Wir fragten uns, was mach der alte Depp mit so… Sorry, nein wir bewunderten die Fresken und die mittelalterlichen Kunstwerke.

Männer im Wachhäuschen auf Burg Prag

Rechter Hand bemerkten wir eine Ansammlung von Menschen, die sich vor einer Absperrung auf dem Ehrenhof aufreihten. Hier schien ein Event statt zu finden. Wir gruppierten uns am Brunnen, um abzuwarten was da kommen möge. Um es nicht zu spannend zu machen, immer um 12:00 Uhr wird einen Zeremonie mit Fanfaren und Trommeln angekündigt: Die Wachablösung. Was hatten wir für ein Glück. Männer in Uniform lösen im Gleichschritt Männer in Uniform ab, die ein Gebäude bewachen, das gar keiner angreifen will.

Ein Idiot in Uniform bleibt immer noch ein Idiot. – Das Känguru in die „Känguru-Chroniken-Die Offenbarung

Diesen kulturellen Höhepunkt (es werden definitiv bei dieser Reise nicht mehr viele folgen) konnten und wollten wir nicht verpassen. Die Zeit bis zur Wachablösung vertrieben wir uns mit dem Drehen von Kurzfilmen (siehe Youtube) und okkulten Handlungen (Münze in Brunnen werfen), mit denen wir die Glücksgöttin zu unseren Gunsten stimmen versuchen wollten und nicht schafften.

Erste Einkehr auf dem Weg zur Karlsbrücke

Über den Georgsplatz gingen wir zurück zu dem Eingang zum Hradschin. Doch vorher machten wir noch ein romantisches Gruppenbild unter einem Traum von Blüten.
Vor dem Palais Schwarzenberg mussten wir uns wieder orientieren und uns dem eigentlich Zweck unserer Reise zuwenden: Den Bierkellern. Schalli hatte sich akribisch auf die drei Tage vorbereitet und die besten Bierkeller in Prag vor sondiert. Jedoch der erste, der „U Černého Vola“ war voll. Auf Geheiß von Pfülbi, folgten wir wieder verwinkelten Gässchen, vorbei an einem Romantik-Hotel, ich betone das deswegen, da ich hoffe, dass meine wunderbare Frau mal mit mir da hinfährt (Schatz solltest du das jemals lesen, das ist eine Einladung!).

Prag Burg Gruppenbild mit Blüten
Einkehr im Kavárna Nový Svět

Plötzlich tauchte auf der linken Seite ein kleines verträumtes Kaffee auf, mit Bio-Suppen. Scheiß auf die Bio-Suppen, es gab Bier und wir hatten Durst. Rein in das „Kavárna Nový Svět“ und Bier bestellt. Besonders schön fand ich die Toiletten, was ich gleich auf Google+ mit einer positiven Bewertung bestätigte.
Da keiner mit mir Jenga spielen wollte zogen wir nach 16 Bier weiter in Richtung Karlsbrücke. Man spürte, dass die Stadt an diesem Wochenende regelrecht bebte. Als uns eine Gruppe Schweden mit Eishockey-Trikots bekleidet entgegen kam, wussten wir auch warum. Die Eishockey-WM gastierte in Prag und wir waren dabei. Egal, weiter zur Karlsbrücke vorbei an Würschtle-Stände, von denen ich keines probieren durfte, denn Schalli versprach uns ein typisches tschechisches Restaurant. Ach hätte ich nur auf meinen Bauch gehört und ein Bratwürschtle gegessen.

Die Karlsbrücke in Prag

Endlich waren wir drauf, auf einer der imposantesten Sehenswürdigkeit dieser Stadt: Die Karlsbrücke. Von den Pflastersteinen konnten wir nicht viele sehen, so viele Menschen waren auf der Brücke. Doch es war schön einmal kurz inne zu halten und die Moldau mit ihren Ausflugsdampfern zu bewundern. Wären nicht so viele Menschen auf der Brücke, man hätte es länger genießen können. So schoben wir uns an den Schutzheiligen vorbei in Richtung „Altstädter Brückturm“, wo uns eine von Schalli empfohlene Lokalität erwarten sollte.

Auf der Karlsbrücke

Wir hatten langsam richtig Durst und Kohldampf. Es musste schnell was zu Essen her, den einige gerieten schon in den Unterzucker, was merklich die Stimmung drückte. Erstaunlich war auch der Anteil der Betrunkenen zu dieser Tageszeit, was uns dann wiederum ermahnte immer die Contenance zu wahren.

Warten auf Pavel und das Drama mit den Knödeln

Wir hatten Hunger und Schalli hatte einen Tipp aus seinem Reiseführer. Versprochen wurde frisch gezapftes Bier und Schweinbraten mit Knödel im Pivnice U Rudolfina in der Křižovnická 60/10.
Der Bierkeller zeigte sich zuerst vielversprechend. Erst mal alle auf die Toilette und Wasser abgelassen. Ohne Probleme bekamen wir einen Tisch für alle. Bier und Becherovka war schnell bestellt, doch die Speisekarte war ein tschechisches Original. Mit Handy und Wörterbuch ausgerüstet sollte die Bestellung eines Schweinebratens mit Knödel für Globetrotter wie wir kein Problem sein. Nur Floh bestellte einen großen Salat, es kam ein …hihih…hihi, also satt fühlt sich anders an. Doch zurück zum Schweinebraten. Der Begriff für Schweinebraten heißt auf tschechisch: pečené vepřové. Ich weiß nicht mehr wer den Mut hatte dies beim Kellner zu bestellen, der Kellner war evtl. einem anderen Dialekt gewöhnt, er antwortete im gebrochen Englisch „pig“. Wir fühlten uns verstanden. „With Chips“, bot er an. Das wäre der Moment gewesen, wo wir stutzig hätten werden sollen, doch wir schöpften keinen Verdacht und posaunten im gebrochenen Tschechisch noch das Wort für Knödel heraus. Ich bilde mir ein, eine leichte Gesichtsstarre in der Mimik des Kellners erkannt zu haben, doch er nickte und ging in Richtung Küche.
Es war vollbracht, endlich sollten wir in den Genuss eines tschechischen Schweinebraten mit Knödel kommen. Nach dem zweiten Bier, wurden wir etwas ungeduldig, aber wir deuteten diese Wartezeit positiv, die Knödel und der Braten wurden bestimmt frisch zubereitet. Das Bier floss und die Kellner brachten die Bier-Bestellungen mit Becherovka zügig an unseren Tisch. Doch es kam kein Braten. Die Stimmung drohte zu kippen. Nur durch stetige Beschwichtigung der besonnenen Stammtisch-Mitglieder konnte eine Eskalation vermieden werden. Ich war froh, denn ich konnte am Tisch gegenüber, an dem einer Blinder saß, mein Handy voll aufladen ohne zu befürchten, dass er es stiehlt.

Bewertung auf Google für Pivnice in Prag

Kurz bevor Harry dem Kellner an den Kragen ging kam das Essen. Trockenes Kottelet mit Pommes und Knödel ohne Soße. Ich würgte die staubigen Knödel hinunter, am Tisch war es still. Wir bezahlten und ich bewertet das Lokal auf Google.

„You erotic dreams come through“, er sagte.

Völlig frustriert und hungrig verließen wird das Lokal und beschlossen noch einmal nach Sehenswürdigkeiten ausschau zu halten, um das Erlebte zu verdrängen. Jene die eine Straßenkarte bei sich trugen meinten, wir wären nicht weit vom Wenzelsplatz und somit hatten wir schon wieder ein neues Ziel und die Schmach war schnell vergessen. Zuerst gingen wir über den Altstädter Ring. Aus Frust kaufte ich mir eine Bratwurst und bewunderte den Prager Schinken. Eine Portion wollte ich vor der Heimfahrt essen und beschloss diesen Event auf den nächsten Tag zu verschieben. So irrten wir planlos an der „Astronomischen Uhr“ vorbei durch die Straßen Prags. Bis, nicht weit vom Wenzelsplatz, ein junger Mann uns ansprach: „You erotic dreams come through!“ Einige von uns waren wieder hellwach: Gerade aus und nach 200m rechts. Das war mal ein Versprechen, so ähnlich wie in dem Video, spielten sich vor meinem geistigen Auge die schönsten Träume ab.

Altstädter Ring mit Schalli
Restaurace Stará Praha

Also wir gerade aus. Es dauerte aber nicht lange bis bei Einigen ein Murren aufkam. Die Gruppe drohte sich zu spalten in Männer und Gatten. Zeimlich schnell verpuffte somit die aufkeimende Abenteuerlust und man muss gestehen: Wir hatten die versprochene Lokalität nicht einmal gefunden.
Zur besten Trinkzeit versuchten wir danach einen berühmten Prager Bierkeller für acht Personen zu finden. Es war schier aussichtslos, wieder erreichte die Stimmung einen Tiefpunkt. Dank Google Maps orientierten wir uns an den bewerteten Lokalen und wurden fündig. Nicht weit von unserem Hotel, wir mussten nur wieder die Moldau überqueren, gab es zwei verheißungsvolle Lokale, eines müsste doch einen Platz für uns haben. Im zweiten Lokal im Restaurace Stará Praha, wies uns eine nette Tschechin, einen schönen Tisch zu und servierte uns ein leckeres Essen mit böhmische Knödel. So wurden die Träume doch noch ein bisschen wahr.

Partyyyy!

Nachdem wir an diesem Tag Höhen und Tiefen erlebt hatten wollten wir das Prager Nachtleben, wie in alten Zeiten genießen. Nicht weit von unserem Restaurant entdeckten wir auf Google Maps den Klub Újezd. Die Bewertungen waren vielversprechend und klangen unspießig. Wir also nichts wie hin. St. Pauli Aufkleber und Che Guevara Konterfeis auf den Toiletten, hier waren wir richtig. Ein süslicher Geruch von feinsten Gras umströmten beim Betreten der oberen Bar unser limbisches System. Ich war glücklich.

Entspannt im Klub Újezd
Bewertung Klub Újezd

Alle waren super nett und wir tranken Bier und Becherovka und ich checkte die Lage. Der ganze Schuppen erinnerte uns an das „Komm“ und jetzt fehlte eigentlich nur noch eine Disco wie früher das „Kitsch“ und der Abend wäre perfekt gewesen. Linksliberal, zwischen intelektuell bis extravagant debil, es war alles dabei. Aber irgendwas fehlte, um den Abend perfekt zu machen. Ein Haus weiter gab es auch einen Klub, dem aber dem einen oder anderen zu laut war, warum auch immer.

Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgeben und steuerten direkt auf unsere bekannte Theaterkneipe von gestern zu. Schon beim Betreten begrüßte uns eine lustige Gesellschaft mit kleinen Papphüten auf dem Kopf. Hier steppte nicht der Bär aber es war nett. Doch nach einiger Zeit wurde die Musik lauter, die Gäste fröhlicher und ich befreundete mich mit einem Rastafari. Es dauerte nicht mehr lange und wir befanden uns mitten im Prager Nachtleben, der Wirt schloss die Tür ab. Wir waren jetzt eine geschlossene Gesellschaft. Tja, da staunt der Franke, ein munteres Völkchen diese Tschechen, es hatte Stil.

Ein gelungener Abend im Švandovo Divadlo na Smíchově

Ich genoss die Lichter und die Musik und jene von uns die noch tanzen konnten traten auf die Tanzfläche. Fränkischer Ausdruckstanz gepaart mit tschechischer Boheme, die Reise erreichte ihren Höhepunkt. Gegen 2:00 Uhr nachts verließen wir in sichtlich gehobener Stimmung die Lokalität. Vernünftigerweise konnten wir uns darauf einigen in Richtung unseres Hotel zu gehen, was nur ca. 500m entfernt war. Eine ferngesteuerte Laterne trieb uns allen nochmal Tränen in die Augen, wir hatten einen kollektiven Lach-Flash, weil dieses blöde Ding auf unseren Signale reagierte, doch wir waren doch zu müde, um auszuprobieren, ob wir noch andere Straßenlaternen durch unsere Gedankenkraft hätten steuern können. Somit gingen wir friedlich und leise in unsere Zimmer, legten uns ins Bett und schliefen ein. Am nächsten Tag erwachten wir.

Meine letzten Berichte

Hier findet ihr noch weitere Berichte von unseren letzten Stammtischreisen.

Die schönste Dachterrasse in Athen

Dauer: 4 Tage, 3 Nächte Location: Athena, GR Budget: €500 pro Person Entfernung: 2,330km Stammtisch-Reise 2018 führte uns in die Wiege der Demokratie und das Zentrum der griechischen Küche. Dieser wollten wir mit dieser Reise besondere Aufmerksamkeit widmen....