Unterführung Galata Brücke Istanbul

Wir versuchten Menschenmassen zu meiden

Die Entscheidung nach Istanbul zu fahren fiel zu einem Zeitpunkt, als die politische Lage in der Türkei noch relativ entspannt und Terroranschläge noch selten waren. Dies änderte sich mit der Zeit. Es gab bei uns schon Überlegungen einen Wanderurlaub in Südtirol anzustreben, doch wir wollten politisch ein Zeichen setzen. Wir lassen uns unsere westlichen Werte nicht von ein paar Fanatikern einschränken und trinken unser Bier, wo wir wollen: Istanbul, jetzt erst recht. Wir kannten die Reisewarnung vom auswärtigen Amt, man solle Menschenmassen meiden. Dies schien so ab 03:00 Uhr nachts an manchen Stellen in Istanbul möglich. Auch Äußerungen zur Politik der Türkei sollte man meiden. Man sprach uns immer wieder wegen einem Politiker mit dem Namen „Erdogan“ an, doch wir kannten ihn gar nicht. Einen Presseausweis hatte auch keiner von uns. Also alles ganz entspannt. Doch beginnen wir mit der Anreise.

Tag 1 – Das Appartement war traumhaft gelegen

Schalli mit Efes im Flugzeug

Freude

Die Anreise verlief eigentlich wie bei allen unseren Stammtisch-Reisen, Bombenstimmung und frische Gerstensaftschorle aus der Dose. Wir flogen mit Türkisch Airline, kein Billigflieger. Der Service war super, es gab lecker Kebab und ausreichend Beinfreiheit. Die Passkontrolle verlief reibungslos und nun wurde es spannend. Unser spanischer Teutone regelte die Appartement-Buchung auf südländische Art, was dazu führte, dass unsere Wohnung südländisch, drei Tage vor Ankunft, wegen Wasserschaden unbewohnbar war. Es wurde kurzfristig über Airbnb auf nordländische Art ein Appartement gebucht, inkl. Abholservice. Sollte das wieder eine Finte sein, um uns christliche Touristen zu zermürben. Nein, ein freundlicher Türke begrüßte uns mit einem Schild mit der Aufschrift „Andreas Faisst“ und wir stiegen nach ca. 10 Minuten Wartezeit in einen kleinen Reisebus, ohne mit dem Fahrer über das Ziel und den Preis gesprochen zu haben. Gut das Harry allein von Barcelona anreiste. Einfach mal fallen lasse und vertrauen. Der Bus brachte uns wirklich direkt zu unserem Appartement und wir mussten nicht mal zahlen. Sollte die Rechnung später kommen? (Um die Spannung zu mildern: Nein, keine Ahnung wer diese Fahrt bezahlt hat). Wenn du auch über Airbnb zum ersten Mal buchen willst, dann nutze diesen Gutschein.


★4 Bedroom★3Bath★Exceptional Flat★

Istanbul, Türkei

*** New: Do not hesitate to ask further details about private or group bosphorus/swimming tours with my private yacht. ***Situated in The Heart of Istanbul.The Apartment Was Kept With The Historic…

Dann betraten wir unsere Wohnung: Wahnsinn! Danke Airbnb! Geil! Wenn wir schwul wären, es wäre total romantisch gewesen. Romantisch war es nicht aber trotzdem cool: vier Schlafzimmer, drei Bäder mit jeweils zwei Rollen Klopapier und zwei Küchen. Das beste war, nebenan gab es eine Ausstellung zur Flüchtlingsproblematik und jeden Abend standen zahlreiche Studentinnen vor der Tür und diskutierten über irgendwas. Im Erdgeschoss gab es ein Restaurant und Cafe mit Bier Happy Hour von 15:00 bis 19:00 Uhr. Wir waren im Paradies. Von da an wollte so wirklich keiner mehr nach Hause und es gab die ersten Ansätze zu konvertieren. Unsere Wohnung war gegenüber der russischen Botschaft in der Istiklal Cd., der größten Einkaufspassage Istanbuls, dort wo auch der letzte Selbstmordanschlag verübt wurde. Für Action, Fun und Abenteuer war ebenfalls gesorgt.

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Erste Eindrücke und exzellente türkische Küche

Baklava in Istanbul

Baklava

Also, wir waren im Paradies. Wir zogen erstmal los und erkundeten die Istiklal Cd. Ich probierte einen ersten original türkischen Döner beim „Kasap Döner“ und wir spazierten in Richtung Taksim Platz. Neben zahlreichen „Fashion-Stores“ gab es auch Läden mit den verschiedensten Leckereien, unter anderem mit Baklava in allen Varianten. Nebenbei achteten wir immer mal, ob jemand einen Sprengstoffgürtel trägt, doch je länger wir flanierten, umso entspannter wurden wir. Wir tauchten ein, in eine Mischung aus tausend und einer Nacht und westlicher Dekadenz. Bier. Wo bekommt man Bier? Laut Medienberichten ist Alkohol in der Türkei verpönt und falls angeboten teuer. Wir fanden nach längerem Suchen einen Spirituosen-Laden mit Wein, Raki und Bier. Eine Bierdose 0,33 zwischen 4 und 5€. Unsere Leber lächelte innerlich, den sie sollte nur mit leichten Schäden diesen Stammtisch-Trip überstehen. Wir kauften einen kleinen Vorrat und Wasser zum nachspülen und kehrten glücklich zurück in unsere Wohnung, um zu überlegen wo wir am ersten Abend dinieren wollen.

Ahmet unser Vermieter war kurzfristig nicht zu erreichen also befragten wir Google, wo man in unserer Gegend gut Essen gehen kann. Es gab zahlreiche Angebote, doch ein Restaurant stach mit seinen Bewertungen heraus und es war nur ca. 500m von unserer Wohnung entfernt. Wir machten uns frisch und zogen in Richtung Tünel (unsere Lieblingsstraßenbahn, doch dazu später mehr) und besuchten das Antiochia Concept. Abgesehen davon, dass wir nie schlecht gegessen haben in Istanbul, dieses Restaurant war absolute Spitze. Sollte man irgendwie nach Istanbul kommen, dieses Restaurant muss man besucht haben. Für 25€ pro Person tischte man uns mehrere Gänge mit feinsten Speisen auf. Auch wenn unser skeptischer spanischer Stammtisch-Genosse einen Nepp befürchtete, wir wurden eines Besseren belehrt. Super, Spitze und Genial, ich komme heute noch ins Schwärmen. Zur Feier des Tages bestellte ich noch eine Flasche Raki. Wir waren angekommen.

Nach diesem Gaumenorgasmus kehrten wir noch kurz in einem kleinem Pub, um die Ecke, ein. Wir verfolgten die erste Halbzeit Liverpool gegen Sevilla und gingen dann in unser schickes Appartement zurück, wo Frank schon das Bett wärmte und Schalli deswegen die Nacht es vorzog bei Faissti zu schlafen. Zumindest planten wir es so. Es wurde laut.

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Wahnsinn diese Moscheen – Tag zwei in Istanbul

Traditionelles türkisches Frühstück

Alter Mann am Bosporus

Morgenstimmung am Bosporus

Ja, die Nacht war kurz. Unterhalb unserer Wohnung befand sich der St. Pauli-Club in Istanbul. Ja ihr habt richtig gelesen: St. Pauli. Es gab Live-Bands, Filme von den Ultras-St. Pauli und nebenan befand sich eine kleine Disco mit großen Boxen, das „Nar Pera“. Somit stand ich gegen 06:30 Uhr auf und beschloss die morgendliche Stimmung in Istanbul zu genießen und spazierte zum Bosporus vorbei am Galata-Turm. Die kleinen Geschäft öffneten so langsam ihre Pforten und es waren nur wenige, vor allem ältere Menschen auf den Straßen, dafür aber umso mehr Katzen. Die Stadt schien so langsam zu erwachen, nur ich hatte nach dieser Nacht das Gefühl, als hätte sie nie geschlafen. Wumm wumm wumm, dröhnte es noch in meinen Ohren. Harry meinte hinterher ich hätte geschnarcht: Wie denn bitte, bei vollem Bewusstsein. Auf meinem Spaziergang konnte ich die ideale Frühstück-Location von Istanbul erkunden, rund um den Galata-Turm. Ich holte mir noch einen Cafe „to-go“ freute mich über das deutsch-türkische Kaffeehaus gegenüber von unserer Wohnung und weckte die Zimmergenossen, was nicht einfach war, denn die meisten hatten Kopfhörer auf.

traditionelles türkisches Frühstück im Cafe Privato Istanbul

Türkisches Frühstück

Frisch geduscht liefen wir dann alle gemeinsam in Richtung Galata-Turm und genossen ein traditionelles türkisches Frühstück im Privato Cafe. Auch hier wieder absolut top. Zwar nicht das günstigste aber dafür reichhaltig, lecker in einem wunderschönen Ambiente, ideal für Verliebte (soll es ja auch in unserem Alter noch geben). Hier planten wir unsere Sightseeing-Tour und wollten von hier aus eintauchen in die türkische Kültür. Erst Galata-Turm, Hagia Sophia und Blaue Moschee, um dann wieder zum gemütlichen Teil überzugehen.

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Was ist der Islam?

Galata Turm Istanbul

Zuerst ging es mit dem Aufzug zur Aussichtsplattform des Galata-Turm. Was sich unten schon erahnen ließ, die Aussicht ist bombastisch und der Stadtrand ist auch von hier oben nicht erkennbar. Im Gegenteil, je weiter man blickt, umso höher wurden die Gebäude, in alle Himmelsrichtungen. Laut Google soll hier immer dichtes Gedränge herrschen. Der Terroranschläge und Reisewarnungen sei Dank. Wir hatten kein Gedränge und blickten geradezu andächtig in die Weite. Ohne die Toilette zu frequentieren, denn erstaunlicherweise hatte noch keiner von uns bis dahin ein Bier getrunken, (Ich bin sowieso auf Ayran umgestiegen, den von zwei Efes und ein bisschen Raki musste ich in der Nacht stündlich die Toilette aufsuchen und das bei musikalischer Begleitung) fuhren wir wieder runter und wollten zur nächsten Sehenswürdigkeit. Wie kommen wir nun auf den schnellsten Weg zur blauen Moschee? Mit der Tünel!

Tünel Istanbul

Drei sind schon durch Schranke.

Die Tünel ist eine unterirdisch verlaufende Standseilbahn. Sie verbindet nur die Stationen Beyoğlu und Karaköy. Man kann sich also nicht verfahren. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht und grübelten über die Auswahl des passenden Ticktes und wie viel Stationen wir fahren müssen. Mit Hilfe eines freundlichen Türken schafften wir es die entsprechenden Tickets für die Fahrt nach unten zu lösen, gingen im Gänsemarsch durch die Sicherheitsschranke, stiegen ein, fuhren 3 Minuten downhill und stiegen erstaunt, wieder aus. Das war die Tünel. Manche rätselten noch was der Sinn dieser Bahn sei, am Abend sollte uns dieser offenbart werden. Aber wie sollte es jetzt weiter gehen, welches Verkehrsmittel und mit welchen Ticket? Ich versuchte es mit Englisch an einem Kiosk, der Verkäufer erklärte mir dann in perfekten Deutsch, wie wir am günstigsten die öffentlichen Verkehrsmittel von Istanbul nutzen können, mit der Istanbulkart. Harry erklärte uns ständig wir sollen niemanden trauen, doch bisher waren alle sehr freundlich hilfsbereit und ausgeraubt hatte uns bis dahin auch noch keiner. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

Hagia Sophia Istanbul

Somit fuhren wir dann mit der Straßenbahn von Karaköy bis zur Haltestelle Gülhane, wo sich die Hagia Sophia und die blaue Moschee in all seiner Pracht auftürmte: Wow! Noch kurz umgeschaut, ob Selbstmordattentäter anwesend waren und dann fix in die Schlange gestellt, zur Besichtigung der Hagia Sophia. Es dauerte 10 Sekunden, dann sprach uns schon wieder ein freundlicher Türke mit einem dicken rechten Backen an, ob wir für 140 Euro inkl. Eintritt seine Führung in Anspruch nehmen wollen? Naiv wie wir sind, unter stummen Protest von Harry, stimmten wir zu und folgten unserem nächsten türkischen Freund durch die Sicherheitsvorkehrungen in die Hagia Sophia. Die Geschichte dieser Kirche kann auf Wikepedia nachgelesen werden, das was unser türkischer Freund erzählte war sehr interessant und er war offensichtlich ein Experte auf seinem Gebiet. Persönlich störte mich, dass er uns und damit auch mich, immer als Christen bezeichnete. Ich habe lange überlegt, ob ich in einen theologischen Diskurs mit ihm gehen soll über die Dialektik der neuzeitlichen Spiritualität, doch ich war zu müde, dann bin ich halt Christ. Irgendwann kam es, wie es in der Türkei offensichtlich immer kommen musste, er fragte uns ob wir unseren Frauen etwas kaufen wollen. Dass wir alle gleichzeitig mit einem deutlichen „Nein“ antworteten, hätte ihn eigentlich stutzig machen müssen bezüglich unserer bibelfestigkeit. Kurze Zeit war er sprachlos. Elegant leitete er über zu der Frage nach unseren Berufen. Ich antwortete stolz: „Krankenpfleger!“ Er dachte sich: „Schwuchtel!“ Harry: „Ich arbeite in der Tourismus-Branche!“ Von da an hatte Harry einen richtig guten Freund, der ihn bald in Barcelona besuchen wird.

Geflasht von den ganzen Eindrücken dünkte es uns danach ganz unislamisch erstmal nach einem kühlen Bier und wir machten uns auf die Suche. Unweit von den Touristenattraktionen schaffte es der gefühlt 50zigste Animateur uns in sein Restaurant zu ziehen, auf die Dachterasse des Sultanahmet Hotel Han. Sollten wir diesmal so richtig über das Ohr gehauen werden? Es war jetzt kein kulinarischer Höhepunkt, aber das Bier vom Fass und die Speisen waren günstig und gut. Wieder nicht reingefallen und auf der Toilette stand sogar eine Klopapierrolle zu viel herum.

Blaue Moschee

Nach dem leckeren Mittagessen und nach dem Besuch des ersten beeindruckenden Prachtbaus, der eigentlich nur noch mit dem Petersdom in Rom vergleichbar ist, ging es dann wenige 100m weiter zur blauen Moschee. Auch hier wieder nur eine kurze Warteschlange, als Krankenpfleger musste ich zumindest kein Kopftuch tragen aber unsere Schuhe mussten wir natürlich alle ausziehen und in kleine Plastiksäckchen stecken. Während bei uns Plastiktüten immer teurer werden, hier werden sie noch großzügig verteilt, denn der Eintritt war frei. Demütig betraten wir die blaue Moschee und: Wow, Wahnsinn, Riesig, really Impressing! Das erste mal, zumindest bei mir, kam ein Gefühl von Ehrfurcht auf und man konnte ein wenig die Faszination des Islam erahnen, das hatte schon etwas Erhabenes. Es gab natürlich auch deutsche Lektüre: „Was ist der Islam?“ kostenlos zum mitnehmen und man hatte auch die Möglichkeit mit den Angestellten der Moschee darüber zu diskutieren. Die blaue Moschee muss man gesehen haben aber der spirituelle Höhepunkt sollte am nächsten Tag folgen.

All dies Eindrücke mussten erstmal verarbeitet werden und wir entschieden uns zu unsere Wohnung zurückzufahren, denn in dem Cafe neben unserer Wohnung gab es ja die Bier Happy-Hour und die wollten wir nicht verpassen. Also mit Straßenbahn und Tünel zurück zu unserer Wohnung auf direkten Wege ins Parole unsere Stammkneipe in Istanbul.

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Fahrt über den Bosporus für 1,30€

Sonnenuntergang Istanbul

In allen Reiseführern wird darauf hingewiesen, man solle unbedingt eine Fahrt über den Bosporus einplanen. Die zahlreichen Touristenboote solle man meiden, günstiger ist die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsschiffen. Wie waren ja schon richtige Profis, was den öffentlichen Nahverkehr in Istanbul angeht. Mit der Tünel runter zum Hafen, mit der Istanbulcard abgestempelt und rein ins erste Schiff, was auch gleich los fuhr. Wir hatten keine Ahnung wohin die Reise ging aber die Fahrt war eindrucksvoll und wunderschön. Nach ca. 20 Minuten legten wir am Hafen von Kardiköy an. Da wir keine Ahnung wo wir sind stiegen wir einfach in das nächste Boot am Hafen, was auch kein Bier verkaufte. Kurz vor Abfahrt bemerkten wir noch dieses Schiff fährt in uns noch unbekanntere Gefilde Istanbuls. Wir stiegen schnell aus und fragten ganz naiv einen Kapitän auf dem Schiff, auf dem wir kurz zuvor die Überfahrt machten, wo er denn hinfahre: Nach Karaköy. Was für ein Zufall, da wollen wir hin. Somit haben wir mit einmal Ticket lösen es zweimal über den Bosporus geschafft. Die Einfahrt in den Hafen von Karaköy bleibt wahrscheinlich unvergesslich.

Nach der spannenden und romantischen Bosporus-Fahrt hatten wir natürlich Hunger. Wir hatten einen Restaurant-Tipp von unserem Vermieter, also entschieden wir dort hinzugehen. Diesmal wollten wir uns aber die Kosten für der/die/das Tünel sparen und wir stiegen per pedes die Galata-Höhe hinauf.

Stammtisch am Galata Turm

Wir schafften es aber wir lernten den Sinn des Tünel am eigenen Leib kennen. Nach einem kleinen Zwischenstopp am Galata-Turm gingen wir direkt zu dem empfohlenen Restaurant unseres Vermieters, dem Asmali Cavit. Hier gab es keinen Türsteher, weil hier alle Plätze besetzt waren. Ein sehr gutes Zeichen aber leider für uns hieß es weiter suchen. Wie durch ein Wunder sprach mich ein junger Mann an, ob ich Feuer hätte und was wir suchen. Naiv und freundlich antwortete ich: „ein Restaurant“. Und wie Allah es wollte kannte der junge Mann und sein Freund ein ruhiges Restaurant, wo sie, am Besten mit uns, ihren Geburtstag feiern wollten. Faissti und ich zogen mit den beiden los, die Anderen hinterher. Während wir uns mit den beiden über einen uns unbekannten Politiker namens Erdogan unterhielten erlitt Harry in gebührenden Abstand einen Tobsuchtsanfall. Er kündigte die Freundschaft, drohte mit Abreise und war kurz davor die deutsche Botschaft einzuschalten. Er hatte unsere nordländische Naivität sichtlich unterschätzt. Als die beiden jungen Männer uns das ruhige Restaurant in der offensichtlich lautesten Gegend von Istanbul zeigten verabschiedeten wir uns und die beiden jungen Männer waren plötzlich etwas angepisst. Die Kritik von Harry war durchaus berechtigt nur ein teutonischer Schutzengel hatte uns vor einem Desaster gerettet. Die beiden Männer waren wir zwar los aber wir hatten wieder nichts zu Essen. Wir beschlossen die Istiklal in Richtung unserer Wohnung zurückzugehen und das erstbeste Restaurant zu frequentieren. Nach wenigen 100m erblickten wir in einer Seitengasse ein ansprechendes Lokal mit guter Bewertung, das Ficcin. Nach dem ersten Bier und den Vorspeisen, die richtig lecker waren, hatte sich Harry wieder beruhigt und wir waren wieder Freunde. Sichtlich zufrieden kehrten wir anschließend wieder in unserer Wohnung zurück, einige tranken noch ein Bier in der St. Pauli Bar, bis wir dann alle zusammen im Halbschlaf über Nacht die neueste Disco-Mucke hörten.

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Basar und Wasserpfeife – teşekkür

Angler auf der Galata Brücke

Ab 03:00 Uhr konnte man ganz gut schlafen und so standen wir frisch und munter auf und genossen ein All-You-Can-Eat Buffet in unserer Stammkneipe. Gestärkt ging es direkt zum Tünel und wir fuhren unseren üblichen Weg zur Galata Brücke, die wir diesmal zu Fuß überqueren wollten. Wir beobachteten die zahlreichen Angler, es hatte etwas Beruhigendes. Irgendwie wirken die Menschen alle nicht so gestresst wie bei uns. Unser erstes Ziel heute war der Basar. Dieser schien auch etwa 100m von der Brücke entfernt zu beginnen. Wir suchten noch eine öffentliche Toilette, doch ohne Erfolg. So stürzten wir uns ins Gedränge. Nach etwa weiteren 100m kam der Eingang in den ägyptischen Gewürzbasar, der Mısır Çarşısı. Es hätte schön werden können, sobald man aber nur aus den Augenwinkel einen Gewürzstand anlinste wurde man sofort vehement zum Tee eingeladen. „Köln, Stuttgart, München, Hamburg“, entweder sie zählten deutsche Städtenamen auf oder man lockte uns mit Freibier, ich fühlte mich als deutscher auf Bier reduziert und diskriminiert. Keiner nannte Fürth, tja Pech gehabt, so kaufe ich nichts. Ich schaltete auf Tunnelblick und war mit Kusber und Schalli als Erster wieder draußen aus dem Shopping-Moloch. Die andren Genossen hatten wir verloren. Sollten sie nun hilflos Teppiche kaufen müssen, von türkischen Profi-Händlern abgezockt? Kann nicht sein, Harry war doch dabei.

Ägyptischer Basar in Istanbul

Über Handy hatten wir sie wieder gefunden, sie flüchteten zu unserem Ausgangspunkt. Also das mit dem Basar ließen wir lieber, also doch lieber Kültür. Faissti schlug das archiologische Museum vor. Wir ignorierten ihn freundlich. So ne Moschee wäre doch auch nochmal schee. Die Süleymaniye Moschee soll die schönste Moschee in Istanbul sein, also machten wir uns auf dem Weg dorthin. Vorher zockte Harry noch professionell einen kleinen türkischen Jungen mit zwei Ayran ab, der uns eigentlich nur Wasser verkaufen wollte.

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Auf den Weg zur Moschee kamen wir noch an zahlreichen Läden vorbei, mit rosa Stoffbären, Handyschalen, Kochtöpfen, Rohren, Schachspielen und und und. Das angenehme war, keiner wollte uns etwas verkaufen, wir sahen auch nicht wie Liebhaber von rosa Stoffbären aus. Nach 15 Minuten erreichten wir den Innenhof der Süleymaniye Moschee.

Süleymaniye Moschee Istanbul

Süleymaniye Moschee Istanbul

Stille. Außerhalb der Mauern tobte die Stadt und hier drinnen: Stille. Zuerst besuchten wir den Moscheefriedhof mit den Mausoleen des Sultans und seiner Familie. Danach gingen wir zum Eingang der Moschee, zogen unsere Schuhe aus und betraten die Moschee. Wer mich kennt weiß, dass ich spirituell etwas abgehoben bin und den kleinen Schamanen-Schein habe. Ob ihr es glaubt oder nicht, eine solche Energie spürt man selten. Ich fand es berauschend. Doch es war Zeit für das Mittagsgebet und wir mussten als Ungläubige die Moschee wieder verlassen. Wir hatten schon wieder Hunger, zumindest ich.

Wasserpfeife im SEfa-i-Hürrem Cafe Restaurant

Wir liefen wieder zurück in Richtung Galata-Brücke als wir in eine Gasse blickten mit kleinen bunten Fesselballons. Da keine Drogen genommen wurden wunderten wir uns kurz über die illustre Dekoration, da sprach uns schon ein türkischer Freund an, ob wir nicht sein Restaurant besuchen wollen. Na gut warum nicht, vertrauensvoll folgten wir ihm. Wir folgten über mehrere Stockwerke durch zahlreiche Baustellen bis wir auf einer Dachterasse ankamen, die ihren Namen wirklich verdient hatte. Ein traumhafter Blick über ganz Istanbul offenbarte sich vor unseren Augen. Jetzt noch ein Bier vom Fass und alles passt. Wir blickten direkt auf die Süleymaniye Moschee, vielleicht war das der Grund warum es keinen Alkohol gab. Egal, dann halt einen Döner. Gab es auch nicht, es war noch Frühstückszeit. Um 14:00Uhr? Egal, dann eben eine Limo, ein Toastbrot und eine Wasserpfeife mit Apfeltabak. Es war richtig schön im Sefa-i Hürrem Cafe Restaurant. Und sogar Faissti ließ sich dazu hinreisen mal zu winken.

Limo-Mann Istanbul

Auch die schönste Zeit geht irgendwann vorbei und es rief die Bier-Happy-Hour im Parole. Wir zahlten und gingen zurück und kauften auf dem Weg noch einen Becher frische Zitrone-Minz-Limo von einem türkischen Limo-Mann. Erfreulicherweise kamen wir noch an einem Gewürzstand vorbei an dem wir in Ruhe die Gewürze betrachten konnten und erst auf Nachfrage man uns freundlich Auskunft gab. Hier deckten wir uns noch mit frischen Gewürzen ein, um dann mit der Tünel wieder zurück zu unsere Wohnung fuhren und uns günstig ein paar frische Gerstensaftschorlen genehmigten.

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Der letzte Abend bei Humus und Kebab

Kinder springen von der Tünel Tram Istanbul

Nachdem wir am Vortag keinen Tisch im Asmali Cavit bekommen hatten reservierten wir rechtzeitig einen Tisch. Einige von uns hatten doch ein schlechtes Gewissen, wenn sie mit leeren Händen zuhause ankommen sollten und beschlossen noch einkaufen zu gehen. Ich kaufte mir Schuhe und genoss das bunte Treiben und die Menschen in Istanbul. Wenn das der Islam ist, dann finde ich ihn echt cool. Hier ist Montag früh mehr Lebensfreude als auf allen fränkischen Kirchweihen zusammen. Man trifft sich auf der Straße, musiziert zusammen und alles wirkt entspannt. Intoleranz scheint zumindest hier kein Problem zu sein. Ist das die Türkei oder nur ein idealisierter weltoffener Ausschnitt eines Landes, das in eine Monarchie abrutscht?

Ein wichtiges Verkehrsmittel habe ich bisher noch unterschlagen. Letzter Abend im Asmali Cavit in IstanbulDer Tünel ist nicht nur eine Standseilbahn sondern es gibt noch eine Tram, die zwischen Taksim-Platz und der Station Beyoğlu verkehrt. Sie fährt entlang der Istiklal. Kurz überlegte ich, ob ich auch, wie die Kinder, während der Fahrt aufspringen sollte. Ich wollte meine neu erworbene Auslandskrankenversicherung nicht gleich in Anspruch und ließ von dem Gedanken ab. So gegen 19:00 Uhr machten wir uns schick und kehrten im Asmali Cavit ein. Es war so richtig türkisch. Keine Touristen und auch keine Terroristen waren anwesend. Wir haben zwar nur einen Tisch im hintersten Eck bekommen aber wir wurden sehr freundlich bedient und schon bald kam der Kellner mit einem Servierwagen voller leckeren Vorspeisen zu uns an den Tisch. Ahmet unser Vermieter hat uns mal wieder nicht enttäuscht. Wir genossen den Abend bei Bier und Ayran, ein würdiger Abschluss.

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Da wir nun die Musik in den beiden Discos unterhalb unserer Wohnung auswendig kannten beschlossen wir den letzten Abend dort ausklingen zu lassen. Das Publikum unterschied sich kaum von den jungen Leuten in anderen Metropolen, ob Berlin, London oder New York, hier schien es keinen Unterschied zu geben und 20 Jahre jünger man hätte den einen oder anderen Annäherungsversuch noch gewagt. Die Zeiten sind ein für alle mal vorbei und so genossen wir es einfach nochmal jung zu sein.

güle güle – Istanbul

Irgendwann geht auch die schönste Zeit zu Ende. Ich persönlich fand es richtig geil in Istanbul, trotzt Reisewarnung, Flüchtlingskrise und Terrorergefahr. Ich hätte es echt bereut nicht hingefahren zu sein. Was der Islam wirklich ist, weiß ich bis heute nicht. Auf alle Fälle gibt es auch eine wirklich schöne und coole Version des Islam, aber so ist es ja mit allen Religionen, wenn man das wahre Wesen von Gott, Nirwana, Brahman, Nichts oder was auch immer, als wahrer Mensch verstanden hat. Ich würde jederzeit gerne wieder in die Stadt von nervigen Basarverkäufern und muslimischer Gelassenheit zurückkehren.

Taksim Platz Istanbul

Wir genossen zum Abschluss ein letztes mal ein deftiges Frühstück im Cafe Mado. Und auch beim letzten mal wurden wir nicht enttäuscht. Die letzte Stunde spazierten wir noch einmal die Istiklal hinauf zum Taksim-Platz, um noch eine weitere Sehenswürdigkeit auf unserer To-Do-Liste abhaken zu können und genossen noch einmal die Lebendigkeit Istanbuls. Wir störten noch kurz den Gottesdienst in einer christlichen Kirche und warteten auf Schalli der noch ein weißes Pulver von einem Syrer entgegennahm, das er mit nach Deutschland bringen sollte. Harry fuhr schon eine Stunde früher zum Flughafen. Wir durften noch am letzten Tag eine erste U-Bahnfahrt zum Flughafen bewältigen. Es war erstaunlich leer in der U-Bahn. Ungewohnt war die Taschenkontrolle, bevor man in die U-Bahn steigen durfte. Mit der Istanbulkart waren wir inzwischen Profis, wenn da nicht eine undeutliche Anzeige gewesen wäre, bevor man in die U-Bahn in Richtung Flughafen steigt. Wir prüften noch kurz, ob der Geldbetrag auf der Karte ausreicht, als eine fränkische Stimme (ich weiß nicht mehr wer es war) von hinten ruft, es kostet 5 TL (tükische Lira). Na dann, langte das Geld nicht, alle kratzten ihr restliches Geld zusammen und wir warfen Münzen in den Automaten, was unser Geldbeutel hergab. Bis einer rief: es kostet nur noch 4 TL. Häh? Werden hier Ticketpreise an der Börse verhandelt. Was war die Quelle der Information. Auf einer elektronischen Anzeige stand neben dem Zielbahnhof „4dk“. Das türkische Wort für Minute heißt auf türkisch: „dakika“. Gott sei Dank fuhr die U-Bahn nicht in 10 Minuten, wir hätten sonst nochmal Geld wechseln müssen. So zahlten wir nahezu unser gesamtes Bares auf die Istanbulkart ein, was eigentlich nie nötig gewesen wäre nur weil unser Türkisch ausbaufähig war und immer noch ist. Wir haben jetzt eine reichlich aufgeladene Istanbulkart. Wer demnächst nach Istanbul fährt und ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr benötigt, der kann sich bei mir melden. Eine Person kann locker ungefähr für eine Woche umsonst in Istanbul herumfahren.

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Abflug vom Flughafen Istanbul

Der Flug verlief reibungslos, bis auf einen kleinen Zwischenfall mit einem Passagier mit Turban. Wir beteten und so konnten wir auch dieser Gefahr trotzen und landeten pünktlich auf einem Flughafen nahe Fürth. Schee wars, ach und wer ist eigentlich Erdogan?

Hier noch ein interessanter Bericht über Istanbul mit vielen Reisetipps.

Unsere besuchten Orte und Lokalitäten

Kurzfilm Stammtisch 2016 in Istanbul

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