Was ist der Islam?
Zuerst ging es mit dem Aufzug zur Aussichtsplattform des Galata-Turm. Was sich unten schon erahnen ließ, die Aussicht ist bombastisch und der Stadtrand ist auch von hier oben nicht erkennbar. Im Gegenteil, je weiter man blickt, umso höher wurden die Gebäude, in alle Himmelsrichtungen. Laut Google soll hier immer dichtes Gedränge herrschen. Der Terroranschläge und Reisewarnungen sei Dank. Wir hatten kein Gedränge und blickten geradezu andächtig in die Weite. Ohne die Toilette zu frequentieren, denn erstaunlicherweise hatte noch keiner von uns bis dahin ein Bier getrunken, (Ich bin sowieso auf Ayran umgestiegen, den von zwei Efes und ein bisschen Raki musste ich in der Nacht stündlich die Toilette aufsuchen und das bei musikalischer Begleitung) fuhren wir wieder runter und wollten zur nächsten Sehenswürdigkeit. Wie kommen wir nun auf den schnellsten Weg zur blauen Moschee? Mit der Tünel!
ie Tünel ist eine unterirdisch verlaufende Standseilbahn. Sie verbindet nur die Stationen Beyoğlu und Karaköy. Man kann sich also nicht verfahren. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht und grübelten über die Auswahl des passenden Ticktes und wie viel Stationen wir fahren müssen. Mit Hilfe eines freundlichen Türken schafften wir es die entsprechenden Tickets für die Fahrt nach unten zu lösen, gingen im Gänsemarsch durch die Sicherheitsschranke, stiegen ein, fuhren 3 Minuten downhill und stiegen erstaunt, wieder aus. Das war die Tünel. Manche rätselten noch was der Sinn dieser Bahn sei, am Abend sollte uns dieser offenbart werden. Aber wie sollte es jetzt weiter gehen, welches Verkehrsmittel und mit welchen Ticket? Ich versuchte es mit Englisch an einem Kiosk, der Verkäufer erklärte mir dann in perfekten Deutsch, wie wir am günstigsten die öffentlichen Verkehrsmittel von Istanbul nutzen können, mit der Istanbulkart. Harry erklärte uns ständig wir sollen niemanden trauen, doch bisher waren alle sehr freundlich hilfsbereit und ausgeraubt hatte uns bis dahin auch noch keiner. Aber was nicht ist kann ja noch werden.
Die Hagia Sophia
Somit fuhren wir dann mit der Straßenbahn von Karaköy bis zur Haltestelle Gülhane, wo sich die Hagia Sophia und die blaue Moschee in all seiner Pracht auftürmte: Wow! Noch kurz umgeschaut, ob Selbstmordattentäter anwesend waren und dann fix in die Schlange gestellt, zur Besichtigung der Hagia Sophia. Es dauerte 10 Sekunden, dann sprach uns schon wieder ein freundlicher Türke mit einem dicken rechten Backen an, ob wir für 140 Euro inkl. Eintritt seine Führung in Anspruch nehmen wollen? Naiv wie wir sind, unter stummen Protest von Harry, stimmten wir zu und folgten unserem nächsten türkischen Freund durch die Sicherheitsvorkehrungen in die Hagia Sophia. Die Geschichte dieser Kirche kann auf Wikepedia nachgelesen werden, das was unser türkischer Freund erzählte war sehr interessant und er war offensichtlich ein Experte auf seinem Gebiet. Persönlich störte mich, dass er uns und damit auch mich, immer als Christen bezeichnete. Ich habe lange überlegt, ob ich in einen theologischen Diskurs mit ihm gehen soll über die Dialektik der neuzeitlichen Spiritualität, doch ich war zu müde, dann bin ich halt Christ. Irgendwann kam es, wie es in der Türkei offensichtlich immer kommen musste, er fragte uns ob wir unseren Frauen etwas kaufen wollen. Dass wir alle gleichzeitig mit einem deutlichen „Nein“ antworteten, hätte ihn eigentlich stutzig machen müssen bezüglich unserer bibelfestigkeit. Kurze Zeit war er sprachlos. Elegant leitete er über zu der Frage nach unseren Berufen. Ich antwortete stolz: „Krankenpfleger!“ Er dachte sich: „Schwuchtel!“ Harry: „Ich arbeite in der Tourismus-Branche!“ Von da an hatte Harry einen richtig guten Freund, der ihn bald in Barcelona besuchen wird.
Geflasht von den ganzen Eindrücken dünkte es uns danach ganz unislamisch erstmal nach einem kühlen Bier und wir machten uns auf die Suche. Unweit von den Touristenattraktionen schaffte es der gefühlt 50zigste Animateur uns in sein Restaurant zu ziehen, auf die Dachterasse des Sultanahmet Hotel Han. Sollten wir diesmal so richtig über das Ohr gehauen werden? Es war jetzt kein kulinarischer Höhepunkt, aber das Bier vom Fass und die Speisen waren günstig und gut. Wieder nicht reingefallen und auf der Toilette stand sogar eine Klopapierrolle zu viel herum.
Die blaue Moschee
Nach dem leckeren Mittagessen und nach dem Besuch des ersten beeindruckenden Prachtbaus, der eigentlich nur noch mit dem Petersdom in Rom vergleichbar ist, ging es dann wenige 100m weiter zur blauen Moschee. Auch hier wieder nur eine kurze Warteschlange, als Krankenpfleger musste ich zumindest kein Kopftuch tragen aber unsere Schuhe mussten wir natürlich alle ausziehen und in kleine Plastiksäckchen stecken. Während bei uns Plastiktüten immer teurer werden, hier werden sie noch großzügig verteilt, denn der Eintritt war frei. Demütig betraten wir die blaue Moschee und: Wow, Wahnsinn, Riesig, really Impressing! Das erste mal, zumindest bei mir, kam ein Gefühl von Ehrfurcht auf und man konnte ein wenig die Faszination des Islam erahnen, das hatte schon etwas Erhabenes. Es gab natürlich auch deutsche Lektüre: „Was ist der Islam?“ kostenlos zum mitnehmen und man hatte auch die Möglichkeit mit den Angestellten der Moschee darüber zu diskutieren. Die blaue Moschee muss man gesehen haben aber der spirituelle Höhepunkt sollte am nächsten Tag folgen.
All dies Eindrücke mussten erstmal verarbeitet werden und wir entschieden uns zu unsere Wohnung zurückzufahren, denn in dem Cafe neben unserer Wohnung gab es ja die Bier Happy-Hour und die wollten wir nicht verpassen. Also mit Straßenbahn und Tünel zurück zu unserer Wohnung auf direkten Wege ins Parole unsere Stammkneipe in Istanbul.